#7 Meike Harms | Poetry Slam, queere Elternschaft, Non-Binarität
05.05.2025 70 min Élie Chevillet
Zusammenfassung & Show Notes
Heute darf ich Meike Harms empfangen. Meike ist die deutschsprachige Vizemeisterin und ehemalige bayerische Meisterin im Poetry Slam. Von Queerness zu Klimakrise verbindet die Bühnenpoetin humorvoll Gesellschaftskritik mit lyrischer Wortakrobatik. Wenn sie nicht dabei ist, Queer Slams zu moderieren und die Bühne zu rocken geht Meike sehr gerne Fahrrad fahren oder mit ihrem Kindern wochenlang in der wilden Natur wandern.
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Transkript
Hi, ich bin Élie Chevillet.
Herzlich willkommen bei Queer Voices, der Podcast der queeren Menschen in Augsburg und der Welt eine Stimme gibt.
Heute darf ich Meike Harms empfangen.
Meike ist die deutschsprachige Vizemeisterin und ehemalige bayerische Meisterin im Poetry Slam.
Von Queerness zu Klimakrise verbindet die Bühnenpoetin humorvoll Gesellschaftskritik mit lyrischer Wortakrobatik.
Wenn sie nicht dabei ist, Queer Slams zu moderieren und die Bühne zu rocken, geht Meike sehr gerne Fahrradfahren oder mit ihren Kindern wochenlang in der wilden Natur wandern.
Hi Meike!
Hallo!
Danke, dass du meine Einladung angenommen hast.
Ich freue mich sehr, mit dir aufnehmen zu dürfen.
Ja, vielen Dank für die Einladung.
Ich habe dich letztens einen großartigen Text über dich selbst performen sehen.
Hättest du Lust, mit diesem Vorstellungsslam heute zu starten?
Kann ich machen.
Cool!
Guten Abend.
Ich heiße Meike.
Meine Pronomen sind sie, ihr, ich identifiziere mich als Mensch.
Ich bin zweifache Mutter und lesbisch.
Ich bin in Deutschland geboren, weiß und konfessionslos, meine Eltern auch.
Beruflich bin ich Bühnenpoetin und Poesiepädagogin.
In meiner Freizeit gehe ich boldern oder fahre Rennrad.
Guten Abend.
Ich heiße Poesiepädagogin.
Meine Pronomen sind konfessionslos.
Ich identifiziere mich als Künstlerin.
Ich bin weiße Bühnenpoetin und boldere in Deutschland.
Ich wurde geboren und als Frau sozialisiert, die Hälfte meiner Eltern auch.
Beruflich bin ich zweifache Mutter und Rennrad.
Man sagte mir, ich solle darauf hinweisen, dass das eine Metapher sei.
Ist eine Metapher.
In meiner Freizeit bin ich lesbisch.
Guten Appetit.
Ich heiße Künstlerin.
Meine Pronomen gehen mir auf die Nerven.
Manchmal und immer häufiger fällt es mir schwer, mich mit Deutschland zu identifizieren.
Ich bin Meike und lesbische Poesiepädagogin.
Ich wurde schon als Rennrad geboren.
Meine Eltern begrüßen das.
Beruflich bin ich Frau und deshalb von Altersarmut gefährdet.
Ich arbeite also quasi in meiner Freizeit als Bühnenpoetin und Mutter.
Guten Flug.
Ich heiße Frau.
Ich kann mich mit keiner der weiblichen Schubladen identifizieren, die für mich vorgesehen sind.
Deutschland nennt mich gleichberechtigt.
Deutschland vergisst das manchmal.
Meine Pronomen sind ein Bremsklotz.
Andere Pronomen sind Macht, beruflich und in der Freizeit.
Ich bin mehrfach privilegiert und dennoch benachteiligt.
Ich bin mehrfach benachteiligt und dennoch privilegiert.
Wow, vielen Dank für diesen großartigen Start, Meike.
Du hast als Kind in Farnshausen eine Gemeinde im Norden Münchens gewohnt.
Wie war es für dich, dort aufzuwachsen?
Wenn ich jetzt nur die Perspektive der kindlichen Freiheit betrachte, würde ich sagen, es kann einem nichts Besseres passieren, als auf dem Land in einem Dorf aufzuwachsen, wo man auch in einer großen Gemeinschaft lebt, die so ein Auge auf einen hat, würde ich sagen.
Also ich würde sagen, sämtliche Resilienz, die ich heute besitze, ist daraus erwachsen, dass ich Dinge erleben durfte, dass ich unterwegs sein durfte, dass wir Überlebens-Training im Wald gespielt haben.
Ich hatte eine Handvoll sehr enge Freundinnen, mit denen mich sehr viele sehr schöne Erinnerungen verbinden, die sehr stärkend sind und einem das Gefühl geben, ich kann was und ich darf was und in mich wird Vertrauen gelegt, ich darf raus in diese Welt und was erleben.
Und ich glaube, ab dem Zeitpunkt, wo man das Gefühl hat, ah, okay, meine Identität könnte auch vielleicht ein bisschen anders aussehen als die Cis-heteronormative Welt, die mir hervorgelebt wird, da wurde es dann ein bisschen schwierig.
Da habe ich es dann eigentlich nicht mehr als frei empfunden, sondern als beengend.
Also dieses, ich darf raus in die Welt, fühlte sich ganz schnell nicht mehr so an, sondern es war so, ich darf raus in die Welt, wenn ich so bin, wie man mir vorgibt, wie ich sein sollte.
So, ja.
Du hast über große Gemeinschaft geredet.
Magst du erzählen, wie diese Gemeinschaft ausgesehen hat?
Also ich kann jetzt nur Beispiel geben für dieses Dorf eben sprechen.
Ich glaube, dass Dorfgemeinschaft was ist, was einem sehr viel Halt geben kann, weil man sich untereinander kennt, weil man weiß ja, wenn man, keine Ahnung, ich weiß es jetzt, mein Bruder wohnt da noch, wenn der Holz machen muss, sozusagen, dann weiß er, er kann ein paar Kumpels anrufen und die kommen dann vorbei und dann helfen sie ihm dabei, für ein Bier, so.
Oder man läuft da durch die Gegend und die Eltern wissen, es kann da eigentlich nicht viel passieren, weil alle, also man kann in der Straße nachfragen, habt ihr irgendwo die Meike gesehen?
Ja, ja, die war, die war beim Bäcker hinten, da irgendwo waren die zuletzt.
Also es gibt irgendwie so eine Einbettung in eine Gemeinschaft, die größer ist als nur das eigene Zuhause.
Und gleichzeitig gibt es ja so Vereinsstrukturen und Dorffeste und alles und das ist, glaube ich, aus der Außenperspektive wird das oft als als spießig wahrgenommen und zu krass traditionsgeprägt oder so, also wenn man eben keine keine Erfahrung mit Dorfleben hat.
Und ich finde, dass es einfach was was Schönes auch ist, zu sagen, ja wir wissen, das passiert.
So es wird wieder diesen der Maibaum wird aufgestellt.
Alle dürfen mithelfen.
Alle haben irgendwie eine Rolle und alle sind willkommen.
Ja.
Hast du Geschwister?
Ja, ich habe drei ältere Brüder.
Meike, was bedeutet es für dich, queer zu sein?
Das bedeutet sehr viele verschiedene Dinge.
Also queer zu sein, das hat, glaube ich, eine sehr starke In-
und eine sehr starke Außenperspektive.
Also der Begriff Queerness ist, glaube ich, einfach mittlerweile so sehr belegt von sehr vielen Dingen, auch von Wahrnehmungen, von denen sich manche distanzieren müssen.
Und ich finde, das ist manchmal für mich herausfordernd, das immer wieder zu reflektieren.
Was bedeutet denn für mich queer sein oder bin ich queer, wie queer bin ich?
Also ich dachte sehr lange, dass ich nicht queer genug bin, weil ich 20 Jahre lang in einer Beziehung war, weil ich verheiratet war mit einer Frau.
Aber wir hatten Kinder, wir lebten auf dem Dorf, also tun wir immer noch.
Aber es war so, ich bin eigentlich gar nicht queer, weil ich lebe ein unfassbar spießiges Leben.
Ich bin Vorsitzend im Elternbeirat des Kindergartens.
Also so laute solche Dinge.
Ich hatte so das Gefühl, Queerness ist mit einer bestimmten Form von Konformität nicht vereinbar.
Und gleichzeitig dachte ich, nee, genau das ist Queerness.
Also zu sagen, ich darf das alles leben, ich darf neben der Kirche des Dorfes leben und mich darüber aufregen, dass jede Viertelstunde die Glocke schlägt und gleichzeitig abends in diese S-Bahn steigen, nach München reinfahren und Party machen, auf Queer-Slums gehen, Frauen fantastisch finden und eine Form von Freizügigkeit leben, die vielleicht von anderen in diesem Kontext, in dem ich wohne, in dem ich lebe, kritisch beugt wird.
Wann hast du entdeckt, dass du queer bist?
Also, dass ich lesbisch bin, habe ich, würde ich sagen, entdeckt mit ungefähr 16, 17.
Ich hatte vorher Verdachtsmomente, die ich aber aufgrund des Kontextes, also was ich vorhin meinte, mit dem Gefühl, dieses innere Gefühl, krieg hat außen keine Entsprechung, weil ich in diesem traditionellen Dorf unterwegs bin, wo es niemanden gibt, vermeintlich niemanden gibt, der sichtbar ist, so wie ich.
Deswegen hat es ein bisschen gedauert, glaube ich.
Ich hatte Verdachtsmomente, aber mit 16, 17 hat sich das bestätigt für mich.
Und zwar sehr klischeehaft, weil ich in einem Fußballverein war und einfach mehrere Menschen kennengelernt habe und gesagt habe, ah, ich glaube, das ist das Leben, das ich auch leben möchte.
Vielleicht nicht in all seinen Facetten, aber auf jeden Fall schon mal, was meine Anziehung in Beziehungskontexten bedeutet.
Also ich möchte lesbisch leben.
Das war dann irgendwie so klar, okay, das, ich finde Frauen toll.
Und dann, bis ich wirklich sagen konnte, ich bin queer, das hatte so eine Vermischung aus.
Ich habe dann auch erst angefangen, wirklich auch mich politisch oder auch insgesamt mehr zu reflektieren.
Also ich habe oft rückblickend so das Gefühl, dass dieses dörfliche Leben mich auch darin aufgehalten hat, zu reflektieren und zu sagen, Dinge zu hinterfragen.
So, das hat einfach alles ein bisschen später eingesetzt.
Möchtest du mehr über diese Verdachtsmomente erzählen?
Verdachtsmomente, also es gab auf jeden Fall eine sehr gute Freundin, die ich unfassbar toll fand und wir haben uns super gut verstanden.
Und wir kamen uns, also das war ja, es war mit 15, 16.
Und wir haben zusammen gefeiert in so einer Partyhütte auf dem Dorf.
Und ich fand die immer super toll und konnte das nicht einordnen, was das ist, weil es fühlte sich nicht nur freundschaftlich an.
Und dann hatte die einen Freund und das fand ich unfassbar schrecklich.
Und ich fand den ganz blöd, ohne dass er mir irgendwelche Grundlagen dafür gegeben hat.
Ich glaube, das war so das erste.
Der nimmt mir was weg, von dem ich gar nicht weiß, dass ich es haben möchte.
Zumindest nicht bewusst.
Ja, und dann viele Verdachtsmomente hingen für mich auch mit meiner Geschlechtsidentität zusammen, wo ich damals auch noch nicht wusste, was das bedeutet, wie ich das einzuordnen habe.
Und ich dachte, äh, das fühlt sich auch komisch an.
So, ich möchte, ich sehe mich nicht als Frau, die ein männliches Gegenüber hat.
Und dabei war ich mir noch nicht mal sicher, liegt es daran, dass ich nicht weiß, ob ich ein männliches Gegenüber möchte oder ob ich Frau bin.
Also das sind es, ja.
Hast du mittlerweile eine Antwort gefunden?
Ja, das hat aber ziemlich lang gedauert.
Das hat wesentlich länger gedauert, als mich als lesbisch zu begreifen.
Das ist tatsächlich erst ein paar Jahre her, dass ich so für mich, deswegen sage ich auch in meinem Text, ich identifiziere mich als Mensch.
Also ich bin mit den Pronomen sie, ihr total fein und gleichzeitig fühle ich mich nonbinär.
Also das ist was, was sich immer mehr für mich rauskristallisiert hat, weil ich immer so gesagt habe, ja was, was ist es denn, was, ja und, und ich spüre da auch so einen anfänglichen Zweifel, ob ich das fühlen darf, ob ich mich so identifizieren darf, obwohl ich diese Pronomen nutze.
Wo ich mir gedacht hat, dann obwohl wir dieses Geschenk haben, dass das immer präsenter wird auch und immer anerkannter wird, dass wir kein binäres System haben, was man ja selbst ganz früh selber spürt.
Aber es sagt so, ja außen ist es binär, also darf ich das nicht fühlen?
Und auf einmal spürt man das und sagt, ja und jetzt, ausgerechnet jetzt, will ich nicht diese Pronomen nutzen, die es dafür geben würde.
Aber diese Antwort, also diese Antwort ist für mich ganz klar, ich bin fein damit, einen weiblich gelesenen Körper zu haben.
Und gleichzeitig muss ich diese, spüre ich, dass diese Identifikation nicht so klar ist, dass wenn alle sagen, wir Frauen, da fühle ich mich gar nicht sofort mitgedacht.
Kann ich sehr gut nachvollziehen.
Bist du mit queeren Role Models aufgewachsen?
Als Kind gar nicht, überhaupt nicht.
Also Queerness hatte für mich zum allerersten Mal überhaupt eine Relevanz mit dem Eintritt in diesen Fußballverein.
Und vorher hat also, das war einfach überhaupt keiner, es war einfach nicht existent.
Absolut unsichtbar für mich.
Ich wusste nicht, dass es das gibt.
Hattest du dann queere MitspielerInnen in dem Verein oder?
Ja, also es gab einige und die, das auch eben im Verein war das sehr sichtbar und das war ganz klar, wenn man eine Feier feiert hat, hat die eine Person ihre Freundin dabei und die andere und das, ja, das war sehr sichtbar und auf einmal fühlte ich so eine ganz große Sicherheit und ein Gefühl, angekommen zu sein.
Und das, obwohl diese Menschen jetzt aufgrund sehr vieler anderer Dinge gar nicht so sehr auf meiner Welle unterwegs waren.
Also ich glaube, wir waren kulturell maximal unterschiedlich interessiert und die einzig wirkliche Verbindung war Fußball und dass man gern miteinander feiert und Party macht und zu fragwürdigen Liedgut gröhlt und gleichzeitig war diese Verbindung, okay, wir sind Queer, cool, cool, dass wir das hier zeigen dürfen und dass wir so sein dürfen und dass man das gar nicht genau erwähnen, also nicht mal erwähnen muss.
Das war auch sehr befreiend.
Und das war in diesem Dorf, wo du gelebt hast?
Nee, ein bisschen weiter, ein bisschen weiter weg.
Also nicht, nicht direkt in Fahrenshausen, sondern so paar Gemeinden weiter in Oberschleißheim.
Also eher städtische Strukturen dann wieder.
Okay.
Was würdest du gerne deinem jüngeren Ich sagen?
Sehr viel.
Auf geht's.
Wie viel Zeit haben wir?
So lange, wie du möchtest.
Okay, fangen wir, fangen wir bei dem Identitätsthema an.
Also auf jeden Fall, es klingt ein bisschen abgedroschen, aber alles, was du fühlst, ist valide.
Also jedes Gefühl, was du hast, darf einen äußeren und inneren Ausdruck haben.
Sowohl in deiner Geschlechtsidentität, als auch in dem, welche Menschen du spannend findest und attraktiv und was du aufregend findest.
Deine Energie ist okay.
Also ich glaube, dass mit dem Rennrad...
Ich war einfach schon immer ein Rennrad und wollte ganz viele Dinge machen und überall unterwegs sein und alles erleben und diese Welt aufsaugen und hatte, glaube ich, sehr viele Begegnungen, die sich so ein bisschen anfühlten, wie entweder aus voller Fahrt Handbremse anziehen, du musst jetzt einen U-Turn machen oder hier Wand, da knallst du jetzt dagegen.
Und das würde ich meinem Jüngeren nicht auf jeden Fall sagen.
Fahr weiter, mach weiter.
Das ist eine gute Richtung, weil die tut dir gut.
Alles, was sich für dich richtig anfühlt, ist gut.
Und auch gib nicht so viel drauf, was andere sagen.
Ja, und bleib so lang wie möglich so neugierig, wie du jetzt bist.
Ja, und folge deinem Näschen.
Weil jetzt, also rückblickend habe ich das Gefühl, ich hatte schon die eine oder andere Hürde auf dem Weg dorthin, wo ich jetzt bin, sowohl beruflich als auch familiär oder in meiner Beziehung.
Und habe ganz lang einfach sehr viel darauf geachtet, was meine Umgebung möchte oder was ich glaube, was meine Umgebung möchte.
Ich hätte viel mehr fragen sollen, was die eigentlich wirklich wollen.
Und ich glaube, dass ich mir rückblickend sagen würde, jetzt, wenn du das möchtest, dann prüfe doch mal, wie du da hinkommst.
Und zwar nicht, indem du dich selbst schon von vornherein einschränkst, sondern frag nach.
Sag den Leuten, was du für Bedürfnisse hast und wo du hin möchtest, was du tun möchtest, wie du sein möchtest.
Weil nur dann hast du auch eine Chance, dass die anderen wissen, wer du sein möchtest und was du tun möchtest.
Ja.
Ich glaube, das war es erst mal.
Danke.
Hast du dich dann gar nicht frei gefühlt, die Menschen zu sagen, wo du hin möchtest oder wer du sein möchtest?
Ja, ganz lange nicht.
Ganz, ganz lange nicht.
Weil ich einfach oft das Gefühl hatte, durch diese Energie, ich spüre das bis heute, dass ich immer wieder in Kontexten bin, wo ich sage, ich habe so viele Ideen und ich möchte so viel tun.
Und wenn ich wach bin, bin ich wach.
Und dann bin ich da und ich spüre, dass es oft so ein, wenn das, wenn mein Gegenüber oder wenn meine Umwelt das nicht spiegelt, dann fühle ich mich nicht richtig.
Dann denke ich, ich bin zu viel.
Ja, und weil einfach dieses, dieses Gefühl von ich bin zu viel in dem Moment dann so, dann nicht dazu führt, dass ich meine Umwelt sage, hey Leute.
Also es passiert mir immer häufiger, dass ich das schaffe, das auch als als Geschenk zu begreifen und zu sagen, ich kann Menschen anstecken, ich kann, ich kann was, einen Funken entzünden, in vielerlei Hinsicht und nicht sagen, ah jetzt muss ich mich drosseln.
Ich muss jetzt leiser sein und zurückhalten, da sowohl in meinen Bedürfnissen als auch in, ja einfach in meiner ganzen Energie.
Meike, wie wichtig ist dir Queerness in deinem Umfeld?
Ich finde es total schön, Queerness in meinem Umfeld zu haben, verschiedene Bubbles zu haben, in denen Queerness eine große Rolle spielt, aber auch eine unaufdringliche Rolle spielt.
Und gleichzeitig mag ich die Durchmischung.
Also ich würde sagen, ich habe ein Umfeld, also jetzt in dem Ort, in dem ich jetzt wohne, in dem Queerness außer in meinem eigenen Haushalt und im Nachbarshaushalt keine große Rolle spielt.
Und gleichzeitig fühle ich mich da sehr aufgehoben, weil es einfach alle wissen.
Also das ist nichts, was ich verstecken muss.
Und das ist auch der Punkt, weshalb ich es schön finde, in anderen Orten Queerness zu begegnen.
Weil ich glaube, dass es wichtig ist, sichtbar zu sein, ohne einen Scheinwerfer auf sich richten zu müssen.
Also ich empfinde es, also ich empfand zum Beispiel in diesem Dorf zu wohnen, am Anfang als herausfordernd, weil man sich mit jedem Akt und seien es noch so banale Dinge, wie den Wohnsitz anzumelden, man muss sich immer outen.
Man outet sich am laufenden Band.
Obwohl man sich denkt, na ich bin ja schon out, weil ich lebe ja schon queer.
Ich bin, ich, aber trotzdem muss man dann, aha, also sind sie eine Wohngemeinschaft?
Nein.
Wir sind verpartnert, so hieß es ja damals noch.
Ah, okay, ja, also, ja und dann die Schritte gehen ja immer weiter, also sowohl mit Kindern als auch allem anderen, was irgendwie so in konventionelle Raster passt.
Man muss sich trotzdem immer outen.
Und deswegen finde ich es schön, wenn es Orte gibt, an denen man sich nicht outen muss.
Sondern weil man einfach da sein kann und man wird auch nicht gefragt.
Also ich empfinde das so, dass man auch an sehr dezidiert queeren Orten fragt, keiner, bist du überhaupt queer?
Also es ist mir noch nie begegnet.
Aber an Orten, an denen vermeintlich die Mehrheit nicht queer ist, da fällt man auf.
Da hat man den Scheinwerfer.
Hat das Wort Community eine Bedeutung in deinem Leben?
Auf jeden Fall.
Also auch aus den zuletzt genannten Gründen.
Also ich empfinde mich schon zugehörig zu einer Community, deshalb, weil ich zum Beispiel queer bin.
Aber ich empfinde auch die Slam-Szene als Community.
Das ist eine Community, in der ich mich zu Hause fühle, in der ich mich wohlfühle, weil es viele Orte gibt, die safer Spaces sind, wo man sich einfach auf Augenhöhe begegnet.
Also Community bedeutet für mich eine Form von Einbettung, eine Form von sich nicht legitimieren müssen und vor allem auch nicht Angst haben zu müssen, dass Dinge passieren, die einen vielleicht diskriminieren oder hinterfragen.
Ja, du hast vorhin über Bubbles geredet.
Was sind so die Bubbles, wo du dich bewegst?
Bubbles.
Welche Bubbles habe ich?
Ist lustig, ich habe gerade so ein Bild vor Augen mit so…
Ja, also die eine Bubble ist auf jeden Fall die Queere Community an verschiedenen Orten, wobei ich die in Verschränkung glaube ich sehr lebe gerade.
Die Queere Community in Verschränkung mit Kultur.
Das heißt bei Queer Slams, bei Queeren Lesebühnen, bei Schreibwerkstätten, die ich für Queere Organisationen gebe oder in solchen Kontexten.
Ja, dann die Bubble Poetry Slam an sich, die Slam-Szene, aber auch die Kleinkunst-Szene und das ist nicht eins.
Also die Slam-Szene ist für sich abgeschlossen und dann gibt es die Kleinkunst-Szene, bei der ich auch mit ähnlichen Texten auf der Bühne stehe, aber es ist kein, nicht dieser klassische Wettbewerb und auch keine Meisterschaften oder Ähnliches.
Da geht es um die Texte und nicht um den Wettbewerb und diese Dynamik, diese spezielle.
Dann gibt es diese Familien-Bubble irgendwie, also die Bubble, die sich daraus zusammensetzt, dass ich Kinder habe und mit Eltern zu tun habe, die auch Kinder haben.
Und man Schule-Dinge klären muss und all das so.
Und dann, glaube ich, gibt es auch natürlich eine anderweitige Freundschafts-Bubble, die jetzt weder unbedingt familiär ist, noch unbedingt künstlerisch, noch queer.
Die gibt es auch noch.
Also Leute, die eigentlich mit keinem dieser Kontexte was zu tun haben, was ich besonders spannend finde, weil ich mir denke, ach, da gibt es noch mehr.
Das ist schon, also ich empfinde das sehr bereichernd, auch Orte zu haben, die sich gar nicht überschneiden.
Weil ich glaube, dann hat man sich auch noch mehr zu erzählen und kann sich auch noch mehr gegenseitig zeigen.
So, und den Horizont erweitern und sagen, ach, du hast keine Kinder, du bist nicht queer und du machst auch keine Kunst.
Cool.
Spannend.
Das kann ich von dir lernen.
Ja.
Meike, was tust du gerne?
Fragst du ein Rennrad?
Ganz viele Dinge.
Mich bewegen, sehr gerne mich bewegen.
Sport machen.
Ich gehe sehr gerne bouldern.
Ich gehe gerne Radfahren.
Ich probiere gerne verschiedene Bewegungsdinge aus.
Und zwar?
Ja, keine Ahnung.
Irgendwelche Balance-Übungen.
Ich habe mich daran verbissen, ich möchte unbedingt einen Pistol-Squad können.
Ich weiß nicht, was das ist.
Eine Kniebeuge auf einem Bein.
Ah, okay.
Und du streckst das andere Bein nach vorne, deswegen Pistol.
Ah, okay.
Ja, und ich habe ein, mein kleineres Kind ist sehr sportlich und sehr agil und sehr beweglich.
Und ich habe diesen Pistol-Squad sehr häufig ausprobiert, zu Hause auch auf so einem Wackelbrett.
Und dann schaut sie mich an und meinte, so was machst du denn da?
Da sag ich ja, ich möchte auf einen Bein in die Knie gehen.
So, zack, zack.
Ja, genau so.
Das heißt, ich habe ein Formel zu Hause, das mir sagt, wie das, zeigt, wie das geht.
Aber ich brauche da noch ein bisschen bis dorthin.
So ein Bild will ich mit dir danach machen.
Einmal Pistol-Squad, bitte.
Ja, genau, also solche Dinge oder so Balance-Sachen oder Skateboard-Fahren.
Und ich bin, ich habe früher ganz viele verschiedene Sportarten gemacht, auch auch wettbewerbsorientiert, auch Dinge, die vielleicht keinen so guten Ruf haben.
Also ich habe im Schützenverein geschossen und da auch wettbewerbsorientiert.
Ich habe Billiard gespielt und da einiges an Wettbewerben bestritten und auch sehr viele Pokale zu Hause.
Das heißt, für mich war das alles immer sehr leistungsorientiert.
Also als ich bayerische Meisterin im Poetry-Slam wurde, musste meine Mutter sehr lachen und hat gesagt, wo denn noch?
Was kommt als nächstes?
Bayerische Meisterin im Schuhplatteln.
Also es gibt einfach sehr viele Dinge, die ich früher wettbewerbsorientiert betrieben habe.
Auch Fußball und Handball und jetzt mag ich das einfach zu sagen.
Ich habe Lust, meinen Körper zu spüren und zu erleben, was der alles kann.
So wie viel Stärke ich habe und wie viel Beweglichkeit und Kreativität.
Das macht mir großen Spaß und ansonsten, was tue ich sonst noch gerne?
Schreiben.
Schreiben, Texte vortragen und Menschen begegnen, die ich damit anstecken kann.
Sowohl als Zuhörende als auch Selbstschreibende.
Also das macht mir unfassbar große Freude zu erleben, wie andere Leute das für sich entdecken und daran Freude haben und daran wachsen, wie kreativ sie selbst sind und wie schöpferisch sie selbst sind.
Und dadurch auch anfangen, an sich selbst anders zu glauben und sich auch selbst nochmal anders zu sehen.
Wie schaffst du das, die Menschen anzustecken?
Mit deiner Begeisterung?
Echt?
Also das könnte ich jetzt methodisch gar nicht runterbrechen, glaube ich.
Ich glaube, das passiert dann.
Also es ist einfach das, was ich vorhin meinte, dass ich lange einfach zurückhaltend war und dachte so, ich, oh, ich habe Energie, die könnte überspringen, die muss ich drosseln.
Das ist was, was ich jetzt mittlerweile als sehr verbindend empfinde.
Dass ich einfach sage, ah, ich, ich lächle, mich lächelt jemand an.
Ich trage einen Text vor, der mir sehr viel bedeutet und ich schaue in ein Gesicht im Publikum, wo ich spüre, das kommt gerade an.
Und zwar nicht, weil ich eine Botschaft übersende, sondern weil ich vielleicht ein Gefühl getroffen habe, mit dem jemand relaten kann, weil ich, weil sich jemand gesehen fühlt, weil sich jemand angesprochen fühlt, weil sich jemand berührt fühlt, und zwar auf positive Weise nicht erwischt.
Es gibt ja auch so vor allem Slam-Texte, die Leute erwischen und man sagt, ah ja, ich weiß, ich müsste mehr Fahrrad fahren.
So oder ja, ich sollte vielleicht weniger Fleisch essen.
Also wo man dann so erwischt wird, ist es auch gut, ja, es ist ja auch schön, dass eine Kunstform das kann.
Aber ich mag das wahnsinnig gerne, Menschen zu erreichen und Verbindungen herzustellen.
Und das passiert, in Anführungsstrichen, eben auch ganz viel, wenn ich mit Kindern und Jugendlichen arbeite.
Ich möchte die einfach sehen in dem, wo sie gerade sind, was sie für Themen haben, wenn sie es zulassen.
Also ich möchte keine Menschen berühren oder in Verbindung treten, die keine Lust auf Verbindung haben.
Aber das ist etwas, was die Kunst einfach wahnsinnig gut kann.
Und sei es nur der einfache Reim.
Also mit Kindern Texte zu schreiben, die sich reimen, da ist so viel Begeisterung, so viel Spaß da.
Ja, also da kann ich da nicht anders, als mit denen einfach Energie und Spaß zu leben.
Magst du mehr über deine Arbeit mit Kindern und Jugendlichen erzählen?
Sehr, sehr gerne.
Also ich leite zusammen mit zwei anderen einen kulturpädagogischen Verein in München.
Der heißt Sprachbewegung.
Und wir haben kulturpädagogische Projekte, die wir vor allem für Schulen anbieten, speziell Grundschulen, Mittelschulen, Förderzentren auf der Basis von kreativem Schreiben.
Also kreatives Schreiben ist so die Ausgangslage.
Und dann drehen wir damit Filme, machen Hörspiele.
Es gibt auch schon Podcasts an einer Schule.
Theater, Tanz.
Also wir versuchen, das kreative Schreiben in andere Kunstformen zu übersetzen, zu übertragen, weil wir glauben, dass die Texte vor allem leben müssen.
Also ein Text, der geschrieben wird und dann in die Schublade gesteckt wird oder wo irgendjemand drin rumkorrigiert und sagt, wir machen noch das und das draus.
Das ist das, was wir nicht wollen.
Wir haben einfach große Lust, Texte zum Leben zu erwecken.
Und ich glaube, dass es auch noch mal eine andere Motivation ist, Texte für einen bestimmten Zweck zu schreiben.
Also zu sagen, ich schreibe ein Drehbuch und da wird ein Film draus.
Ich schreibe einen poetischen Text und da machen wir einen Poetry-Clip draus.
Oder der wird eingelesen und mit einem Beat unterlegt.
Oder was weiß ich, also der wächst einfach noch mal in eine andere Kunstform rein.
Und das mache ich so gerne oder da liegt auch mein Herzblut drin, obwohl auch viele, viele Stunden dafür ehrenamtlich draufgehen.
Weil ich das so oft und immer wieder erleben durfte jetzt in mittlerweile 14 Jahren, was es Kindern gibt, die einfach im Schulsystem untergehen, nicht gesehen werden, in ihren Fähigkeiten nicht gewertschätzt werden.
Und das wollen wir tun damit.
Also ich möchte in einen Raum gehen und sagen, du, du, du, ihr alle, jeder, jede von euch hat Fähigkeiten, hat Talente und die dürfen einen Platz haben und einen Ausdruck finden.
Und das passiert in diesen Projekten.
Und das ist das, weshalb ich das unbedingt tun möchte und auch immer weiter tun möchte.
Und das mache ich unter anderem eben für den Verein, aber auch einzeln.
Also ich bin an der Internationalen Jugendbibliothek, leite da Workshops zu den Ausstellungen.
Ich reise durch die Gegend für die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung und bin da auch in dem Team, die die Lyrik-Empfehlungen für Kinder geben.
Also es gibt ein Redaktionsteam, die die Lyrik-Empfehlungen für Kinder rausgeben, jetzt seit letztem Jahr.
Und ich entwickle mit zwei anderen didaktisches Material dazu, sodass die Schulen quasi Lyrik mehr in ihren Unterricht bringen und aber auch, weil an Schulen einfach wenig Zeit ist, sehr schnell und einfach Methoden an die Hand kriegen, um damit spielerisch arbeiten zu können.
Ja, und dann ist es so, dass wir zweimal im Jahr eine offene Bühne haben, auch für Kinder und Jugendliche.
Und ich finde es eben wichtig, dass diese Kunst oder das, was die Kinder können und gerne machen, auch gesehen wird.
Und auf dieser Open Stage, also sie heißt Spot on deine Bühne, ermöglichen wir das eben.
Machst du das auch mit deinen eigenen Kindern?
Ja, also ich glaube, wir sind zu Hause einfach per se sehr sprachverspielt und machen sehr viel albernes Zeug.
Es gibt, glaube ich, sehr, sehr viele Videos, wo wir Beatboxen beim Zähneputzen oder irgendwelche rhythmischen Dinge einsprechen und auch ohne, dass es festgehalten wird, mit irgendeinem Smartphone einfach sehr viel Quatsch mit Sprache machen und damit spielen.
Das spielt, glaube ich, einfach per se eine große Rolle.
Und dann ist es so, dass die auch immer wieder mitkommen zur Veranstaltung, zuschauen, die kennen viele Texte von mir und, glaube ich, finden das auch ganz cool.
Wobei die Große jetzt gerade sehr in der Pubertät drin steckt und sich immer wieder davon abgrenzen muss bzw.
muss sie nicht.
Sie muss es nicht gut finden.
Ja, also es ist einfach Lyrik oder Literatur spielt eine große Rolle.
Unaufdringlich hoffe ich.
Was und wer inspiriert dich?
Ich bin sehr inspiriert von Menschen, die ihren Weg gehen, die sich trauen, Dinge neu zu machen.
Ich bin inspiriert von Menschen, die anderen Menschen helfen, die sie wiederum darin unterstützen, ihren Weg zu gehen.
Und ich bin inspiriert von Leuten, die Kunst machen, die einen so tief berührt, dass man davon sehr lange zehrt.
Also für mich ist es zum Beispiel Kate Tempest.
Also die Texte und die Musik und die Kombination aus Stimme und Worten, das ist einfach, ich finde das so tief berührend und könnte das immer wieder hören und darin versinken.
Und das ist ein großes Geschenk und was, was einem sehr, also mir sehr, sehr viel Stärke gibt, solche Spoken-Word-Texte zu hören.
Hast du ein Werk von dieser Person, die du besonders empfehlen würdest?
Ich weiß nicht, ob es der Titel ist, aber Fireworks, das ist, glaube ich, und People's Faces, glaube ich.
Meike, wie bist du zum Poetry-Slam gekommen?
Ein bisschen auf Umwegen, also ich habe sehr viel zugeschaut.
Ich habe in Augsburg studiert und wir waren fast jeden Monat beim Poetry-Slam, der damals noch in der Kresslesmühle war.
Ich habe schon immer geschrieben, ich habe Lyrik geschrieben, schon von ganz klein auf, auch sehr pathetische Lyrik in meiner Pubertät.
Darauf muss man alles nicht mehr lesen, aber es war wichtig, dass ich diesen Kanal gefunden habe.
Gibt es die Texte noch?
Teilweise.
Und es gibt manche, die einfach in solchen Untiefen gegraben haben, dass ich mich sehr bewusst entschieden habe, diese Texte verschwinden zu lassen in einem Ritual.
Da ich mir dachte, ich bin froh, dass das nichts mehr mit mir zu tun hat.
Und ja, dann habe ich angefangen, kreative Schreibprojekte für Kinder und Jugendliche zu leiten.
Also das habe ich gemacht, bevor ich selbst auf der Bühne stand, weil ich mit Creative Writing Berührung hatte, als ich eine Zeit lang in Island gelebt habe.
Und in diesen, eine Institution, für die ich solche Workshops geleitet habe, das war die Initiativgruppe IG in München.
Die haben gesagt, sie machen ein Jubiläum, 40 Jahre Vereinsjubiläum, und sie machen einen Voiceslam.
Und ich wäre doch super prädestiniert, dafür dort aufzutreten.
Und ich so, Gott, oh Gott, ich kann nicht vor Menschen sprechen, ich sterbe, das wird niemals funktionieren.
Aber gut, so niederschwellig kriege ich das nie wieder.
Also ich hatte einfach schon immer unfassbare Angst vor Menschen zu sprechen.
Aber heute rückblickend würde ich sagen, ich hatte eine Sozialphobie.
Also ich konnte kein Referat halten.
Es gibt mehrere Situationen, in denen ich in der Schule tatsächlich einfach mir wurde schwarz vor Augen.
Mir hat jemand eine Frage gestellt und ich war weg.
Und es war klar, ich möchte nie vor Menschen stehen.
Ich möchte nie öffentlich vor Menschen sprechen müssen.
Ja, bei diesen Vorhaben bin ich klärklich gescheitert.
Weil ich mache jetzt nichts anderes.
Und dann habe ich diese Hürde genommen und habe gesagt, ich trete dort auf.
Und ich war die einzige Person, die ihm stehend frei einen Text vorgetragen hat.
Die anderen waren verschiedene Lesende, die gestandene AutorInnen waren, die gesagt haben, ja, ich lese aus meinem Reiseroman vor, ich lese aus dem vor.
Das waren alles nicht Leute, die aus der Slam-Szene kamen.
Und es war schon auch ein bisschen weirder Abend insgesamt, weil der, der uns moderiert hat, gesagt hat, er kann mit PoetrySlam gar nichts anfangen, ob wir dieses affige Zeug machen müssen.
Und ich dachte, aber warum macht ihr dann den PoetrySlam?
Egal.
Da hat aber auf jeden Fall jemand zugehört und zugeschaut, Kobi Lansky, der in München und in Süddeutschland sehr viele Veranstaltungen hat.
Und der meinte, das, was ich mache, hat ihm gefallen.
Und der hat mich sehr schnell eingeladen zu allen möglichen Veranstaltungen.
Und dann ging es eigentlich los.
Und ich habe mir 20 Veranstaltungen gegeben, das war so meine Grenze, in 20 Veranstaltungen, wenn ich es da nicht schaffe, nicht mehr halb zu sterben, für Aufregung.
Also ich habe wirklich drei T-Shirts durchgeschwitzt, nächtelang nicht geschlafen, hatte wahnsinnige Verdauungsprobleme.
Also es war für mich wirklich herausfordernd, existenziell herausfordernd.
Also es gibt Auftritte, an die kann ich mich nicht mehr erinnern.
Ich bin von der Bühne gegangen, habe ich gerade gesprochen?
Ja.
Und irgendwas ist da passiert.
Also im Rahmen dieser 20 Auftritte, wo ich sagte, okay, es funktioniert, es macht mir Spaß.
Andere Menschen haben Spaß.
Ich fühle mich wohl.
Und mein Puls geht auch gar nicht mehr durch die Decke.
Großartig.
Ich mache damit weiter.
War das ein Prozess oder gab es irgendeinen Schlüsselmoment?
Ich glaube, es war ein Prozess.
Also ich würde sagen, es ist eine Aneinanderreihung, mehrere Schlüsselmomente.
Also Momente, in denen Leute, die ich unfassbar großartig fand auf der Bühne, zu mir sagten, boah, deine Reime, die knallen ja richtig.
Oder cool, dass du dieses Thema so ganz anders aufgreifst oder so.
Also dieses Feedback, was ja in der Slam-Szene in den meisten Fällen einfach sehr wohlwollend ist und sehr freundschaftlich und es geht viel um ein Miteinander, das hat mich, das hat mich, glaube ich, aufgefangen und auch darin bestätigt, das ist okay, was ich mache und ich darf das weitermachen.
Das ist willkommen.
Hast du als deutschsprachige Vizemeisterin im Poetry Slam immer noch Lampenfieber?
Und wie gehst du damit um?
Ich habe zum Glück kein Lampenfieber mehr.
Also das hat sich, wie gesagt, relativ schnell dann gelegt, von erstes unerträglich schlimm zu ich gehe halt auf die Bühne.
Ich habe ganz kurz, bevor ich auf die Bühne gehe, gibt es so einen ganz kleinen Kick und der ist auch ganz wichtig, weil ich sonst nicht präzise bin.
Okay.
Also wenn ich gar nicht mehr aufgeregt bin, das passiert manchmal, wenn ich sehr viele Auftritte habe.
Also ich kann mich an ein Jahr erinnern, 2015 war das, da habe ich über 150 Auftritte in dem Jahr gehabt.
Und da kommt man irgendwann an so einen Punkt, wo man kaum noch Unterschied hat zwischen dem Bühnensetting und dem Backstage-Setting zwischen Wohnzimmer und ich stehe auf einer Bühne vor 500 Leuten.
Und das nimmt einem sehr viel Spannung.
Also bei mir war das der Fall.
Und ich hatte das Gefühl, ich bin total labidar unterwegs und bin gar nicht präzise in Verbindung mit dem Publikum, sondern luller da irgendwas runter, was ich schon 100 Mal gesagt habe.
Und da habe ich gemerkt, okay, das ist nicht gut.
Gar keine Aufregung ist nicht gut.
Aber so ein bisschen ist okay.
Ist es eine Art von Bühnenburnout?
Ja, Bühnenburnout, da trifft es ganz gut.
Ja, weil man, es ist ja schon ein spezielles Setting.
Man steht vor ganz vielen Menschen und alles, was man sagt, wird von ganz vielen Menschen gleichzeitig wahrgenommen.
Und dieses auf dem Präsentierteller sein, war ja was, was mich früher wahnsinnig gestresst hat.
Und auf einmal habe ich mich darin wohlgefühlt.
Und dann war durch diese sehr vielen Auftritte habe ich mich zu wohl gefühlt.
Und ich glaube, das ist nicht mehr gesund dann.
Aber jetzt habe ich so das Gefühl, es gibt so eine gesunde Aufregung kurz vorher.
Und manchmal gibt es ganz spezielle Auftritte natürlich.
Also auch wenn man weiß, die werden jetzt aufgezeichnet.
Oder man wird zum Beispiel von einem Podcast befragt.
Ja oder Live-Dinge oder keine Ahnung fürs Fernsehen.
Also Dinge, die nicht so super regulär sind, die nicht regelmäßig stattfinden, wie Aufzeichnungen für das Vereinsheim, also für diese Sendung zum Beispiel, weil da so viele Dinge passieren, die man sonst nie erlebt.
Also keine Ahnung, Maske und Regiebesprechung und alles Mögliche.
Dann ist die Aufregung ein bisschen größer.
Aber die Aufregung ist nie so, dass sie Besitz von mir ergreift, dass sie mich groß steuert.
Also dass ich das Gefühl habe, ich kann meinen Puls nicht mehr kontrollieren.
Oder ich fange an, in der Stimme zu zittern oder sowas.
Ja.
Musst du darauf atmen, dass du nicht zu viele Auftritte zusagst?
Ja.
Aber einfach auch rein aufgrund dessen, dass ich ja Familie habe und für die auch die gleiche Energie haben möchte, wie für die Auftritte.
Also mir ist das sehr, sehr wichtig.
Bei all den schönen Dingen, die ich im Außen tun darf, wenn ich nicht zu Hause bin, einfach zu Hause auch präsent zu sein.
Nicht im Sinne von ich muss super funktionieren und ich muss die Top-Mutter sein.
Themen habe ich natürlich auch so, wenn ich dann irgendwie nicht die Wäsche komplett fertig gekriegt habe, so wie ich das wollte oder das Zimmer nicht so super aufgeräumt ist oder sowas.
Aber einfach vor allem in Verbindung sein zu können.
Also ich möchte für die Kinder da sein und zwar wirklich da, wenn ich zu Hause bin.
Und wenn ich zu viele Auftritte habe, bedeutet das ja nicht immer nur, ich bin unterwegs, sondern das bedeutet auch, ich habe Telefonate, ich habe Briefings, ich habe Zoom-Gespräche, um Auftritte vorzubereiten.
Ich muss buchen, weil wenn ich selbst veranstalte, sehe ich das auch als Auftritt.
Wenn ich moderiere, das sind alles Dinge, die fallen dann ja auch wieder ins Zuhause zurück.
Und wenn ich davon zu viel habe, das spüre ich, dann misslingt mir das manchmal, wirklich präsent zu sein.
Ich habe das Gefühl, dass das Angebot an Queer Slams überall steigt.
Magst du erzählen, was ein Queer Slam ist und warum diese Plattform wichtig ist?
Also ich würde dieses Gefühl bestätigen.
Das sehe ich auch so.
Also Queer Slams, das war was, also ich habe den ersten, glaube ich, in Berlin wahrgenommen.
Und seitdem lese ich es immer mehr überall und werde auch immer mehr zu Queer Slams eingeladen.
Also ein Queer Slam ist im Grunde nichts anderes als ein regulärer Poetry Slam.
Also es sind alle Texte willkommen.
Die einzige Einschränkung ist, dass das Line-up aus Menschen besteht, die sich queer identifizieren.
Im Publikum sind natürlich alle Menschen willkommen.
Also das ist einfach klar.
Alle sind willkommen, die sich dort zu Hause fühlen oder einfach auch Lust haben, als Élie dort teilzunehmen.
Und es hat schon auch zur Folge, dass die Themen oft sehr queer sind oder sich daran orientieren an allem, was irgendwie Queerness streift oder daraus entsteht, dass mein queeres Leben reflektiert auf der Bühne.
Aber es gibt auch ganz viele Texte, die sich überhaupt nicht mit Queerness beschäftigen.
Und warum ist die Plattform wichtig?
Ich glaube, dass die Plattform deshalb sehr wichtig ist, weil queere Personen die Möglichkeit haben, ihre Themen eine Öffentlichkeit zu präsentieren.
Weil klar ist, weil ganz klar und deutlich für einen selbst ist, hier an diesem Ort sind diese Themen willkommen und aufgehoben.
Es gibt ja sehr viele Slams, die an unterschiedlichen Orten stattfinden.
Und wenn ich bei einem Poetry-Slam bin und mir überlege, kann ich heute diesen Text machen, sollte das eigentlich, also eigentlich sollte sich diese Frage nicht stellen.
Und man tut es aber.
Also ich habe viele Texte, bei denen ich sage, die kann ich hier nicht machen.
Weil ich glaube, sie sind zu persönlich.
Oder sie sind zu queer, sie sind zu progressiv.
Und das gibt es mittlerweile einfach viel bei Poetry-Slam.
Weil Poetry-Slam sehr im Mainstream, weil jetzt ein schöner Versprecher, im Mainstream angekommen sind.
Und ja, da vielleicht auch nicht mehr alles gern gehört wird.
Und bei Queer-Slams ist einfach klar, alle Menschen, die hier sind, die zuhören und die auch teilnehmen, sind dem wohlgesonnen, was man auf der Bühne hören kann.
Passt super zu meiner nächsten Frage.
In deinen Texten thematisierst du Sachen wie Queerfeindlichkeit oder die Klimakrise.
Inwiefern erlebst du deine Kunst als eine Form des Aktivismus?
Also ich glaube, es ist ein großes Geschenk, dass das eine Kunst ist, mit der man auch Themen aufgreifen kann.
Und mir ist es ein großes Anliegen, diese Themen zu besprechen, diese Themen präsent und sichtbar zu halten.
Und gleichzeitig ist es mir wichtig, damit kein Unwohlsein zu erzeugen.
Das klingt jetzt ein bisschen so, also ich möchte Leute nicht belehren.
Also vielleicht ist so ein bisschen Unwohlsein schon okay, aber ich habe, ich möchte nicht hingehen und sagen, ich weiß, wie es richtig geht, und ihr müsst anders handeln.
Aber ich finde es wichtig zu sagen, hör mal zu, schau mal, diese Themen gibt es.
Vielleicht gibt es eine Möglichkeit, dass wir gemeinsam die Welt so verändern, dass es für alle besser ist, für alle einfacher ist, für alle friedlicher ist, dass alle sich sicher fühlen können und dass wir gemeinsam eine Form von Zukunft gestalten.
Das klingt jetzt ein bisschen sehr groß für Texte, in denen ich vielleicht, keine Ahnung, irgendwelche Vögelbedichte oder von Bahter gar nicht spreche.
Aber ich habe so das Gefühl, ich möchte gerne beitragen mit meiner Kunst zu Veränderungsmöglichkeiten oder Funken sähen, die dann zu größeren Ideen wachsen.
Und damit, wie gesagt, glaube ich nicht, dass ich da für die Lösung parat habe.
Aber ich habe, glaube ich, viele Fragen und viele Vorschläge, die ich sehr gut poetisch transportieren kann.
Meike, du bist zweifach Mutter.
Wie geht es dir und deinen Kindern als Regenbogenfamilie in unserem Schulsystem?
Gut, weil wir bisher ausschließlich positive Erfahrungen gemacht haben.
Beide Kinder waren in der Grundschulzeit in einer Montessori-Schule.
Das ist auch ein großer Luxus, also dass wir in dem kleinen Ort, in dem wir leben vor Ort, eine Montessori-Schule haben und auch eine sehr gute Montessori-Grundschule.
Die, die diesbezüglich einfach sofort von Anfang an offen waren und nachgefragt haben und gesagt haben also folgendes, wir sehen, ihr habt jetzt nicht das reguläre Familienkonzept.
Es gibt das Dinge, die wir wissen müssen.
Also die haben wenig von selbst angenommen, sondern nachgefragt und das schafft sehr viel Sicherheit, sehr schnell Sicherheit.
Und wenn etwas war, was merkwürdig war oder wo wir das Gefühl hatten, es geht in eine schwierige Richtung, waren wir in sehr guter Kommunikation mit der Schule.
Also es war zum Beispiel so, dass sie im Unterricht über Geschlechterollen gesprochen haben und das sehr binär und sehr klar auch mit Klischees versehen.
Und da haben wir sofort nachgefragt und haben gesagt, was ist denn das?
Ja, ja, ja, wir lösen das noch auf.
Aber ich sagte, aber es ist schade, dass ihr das erst mal so stehen lasst, bevor ihr es auflöst, weil mit dieser Vorgabe gehen die Kinder jetzt erst mal einen Tag nach Hause, bis sie wiederkommen und die auflösen.
Es ist so eine Art Cliffhanger, ein Bildungs-Cliffhanger.
Da haben wir gesagt, das ist schwierig.
Das hat ja, das tut ihnen leid.
Und sie machen das sehr bewusst und sehr präsent, dass Jungs nicht nur Fußball spielen und Mädchen nicht nur mit Puppen spielen.
Also es ist jetzt sehr plakativ gesprochen, aber ein bisschen so war das.
Und das war, die haben einfach ein sehr großes Bewusstsein dafür, dass man Dinge anders angehen kann und dass es einfach unfassbar viele Familienformen gibt.
Also da geht es jetzt nicht nur um Regenbogenfamilien, sondern auch um Ein-Eltern-Familien, um größere Familienkonzepte, wo mehrere Menschen zusammen im Patchwork erziehen und so was.
Und dafür fühlten wir uns, also da fühlten wir uns einfach gesehen und zu Hause und war einfach an sich okay.
Es wurde einfach nicht hinterfragt.
Was sind die gesellschaftlichen Herausforderungen, die ihr als Queer-Familie habt oder bisher hattet?
Ich würde sagen, also für mich war die größte Herausforderung jeweils der Moment, als die Kinder geboren wurden und dann geklärt werden musste, wer das Sorgerecht hat.
Weil es ist irgendwie klar, die Mutter, die das Kind geboren hat, ist die Mutter und die andere Person hat erst mal keine Rechte.
Und das, obwohl wir zu dem Zeitpunkt ja schon verheiratet waren und seit vielen Jahren zusammen.
Also es war einfach klar, dieses Kind ist ein Wunschkind von uns, in Kombination mit einem Vater oder Spender.
Und dieses Kind ist aus Liebe entstanden und einvernehmlich von allen Parteien in diese Familie gewachsen.
Und gleichzeitig ist es rechtlich aber eine totale graue Zone.
Und das ist was, was ich sehr schwierig finde, ist ja bis heute so, dass es keine klaren Richtlinien dafür gibt, wie kann man schnell klären, welche zwei Menschen sind für dieses Kind sorgeberechtigt.
Und das empfand ich als wirklich herausfordernd, weil man muss ganz viele Behördensachen managen und um das Kind zu adoptieren als Co-Mutter auch Dinge über sich ergehen lassen, die einfach dem Prozess des Elternwerdens an sich nicht gerecht werden.
Also das müssen Hedro-Eltern einfach nicht.
Und auch ein Vater, der sagt halt einfach, ja ich bin der Vater, dann wird das geklärt und dann zack ist es so.
Aber wenn ich dann gesagt hätte, also die erste habe ich nicht geboren, es hat einfach nicht gereicht, dass ich sage, ja ich bin auch die Mutter.
Sondern ich musste ein Riesenformular ausfüllen, meine ganze Lebensgeschichte darstellen, in der ich sogar über mein Verhältnis zu meinen Brüdern sprechen musste und so ein Zeug.
Ich musste sagen, wie ich zu dem Erzeuger dieser Kinder stehe, welches Verhältnis.
Also es waren einfach Formulare, die noch darauf angelegt waren, wie man Stiefkind-Adoptionen durchführt.
Ich weiß nicht, wie das mittlerweile heute ist.
Aber vor zwölf Jahren war das ganz klar nicht an unsere Bedürfnisse angepasst und fühlte sich einfach nicht okay an, übergriffig.
Und wir hatten dann auch Besuch vom Jugendamt.
Und die haben sich angeschaut, wo schläft denn das Kind?
Hat es ein gutes Zuhause?
Und ich finde das auf der einen Seite gut, dass da drauf geschaut wird.
Und auf der anderen Seite ist es ja eine ganz klare Ungleichbehandlung.
Ansonsten finde ich das herausfordernd, was ich schon erwähnt hatte, dass man sich in sehr vielen behördlichen Prozessen immer wieder outen muss und immer wieder sehr ausführlich erklären muss, was für ein Familienmodell man hat.
Und auch vor Hürden steht, wo ich sage, warum denn das jetzt schon wieder?
Also wir haben für das eine Kind, als wir im laufenden Adoptionsverfahren waren, einen Ausweis beantragt.
Und es ging aber nicht, es hat nicht gereicht, dass die Mutter, die das Kind geboren hat, das bestätigt, dass dieses Kind einen Ausweis haben darf.
Sondern wir mussten quasi das ganze laufende Adoptionsverfahren offenlegen, die ganzen notariellen Unterlagen mitbringen, damit wir für das Kind einen Ausweis erstellen lassen dürfen.
Und das nahm dann noch ganz abstruse Züge an, weil nachdem ich alles vorgelegt hatte und klar war, wir kriegen einen Ausweis, beim Abholen selbst, wo man eigentlich auch immer noch eine Unterschrift braucht, habe ich, ich habe von allen Seiten die Unterschriften eingeholt.
Und dann schaute sie mich an, sagt, ne, ne, das ist nicht so wichtig.
Dann war ich so, das kann es doch nicht, euer Ernst.
Wir haben jetzt hier ein wochenlanges Prozedere hingelegt, um dann abschließend, wo ich dann quasi wirklich belege, mit allen Unterschriften, dass es für alle fein, dass dieses Kind einen Ausweis bekommt.
Haben die gesagt, ja, sie werden ja jetzt nicht mit dem Kind ins Ausland abhauen?
Da sag ich, ja, aber diese Angst bestand ja offensichtlich seit Wochen.
Und jetzt lege ich es vor, dann ist es auf einmal nicht mehr wichtig.
Also, dass auch so einer Willkür so ein bisschen ausgesetzt zu sein, finde ich sehr unangenehm, weil es für viele Dinge, es gibt rechtliche Grundlagen und ganz oft keine entsprechenden Handlungsanweisungen, auch was das Steuerrecht angeht, wenn man gemeinsam veranlagt und sowas.
Wie sind die andere Kinder, die aus zisheteronormativer Familien kommen mit deinen Kindern?
Ich glaube, für die meisten macht es keinen großen Unterschied.
Bisher ist es mir noch nicht begegnet oder haben beide Kinder, also keines der beiden Kinder hat irgendwie was erzählt, dass irgendwas schwierig ist.
Es gab auch noch keine Kommentare.
Manchmal gibt es so das, was, du hast zwei Mütter, das geht doch nicht.
Und beide sind da eigentlich sehr taf und sagen doch, ich habe zwei bzw.
jetzt drei.
Also es ist einfach sehr, sehr deutlich und sehr klar, dass sie wissen, weil sie von Anfang an, wir haben einfach sehr, sehr früh ihnen vermittelt, das ist eine Form und es gibt diese Form und es gibt diese Form von Familie und wir leben die so.
Und du bist von allen geliebt und willkommen und wir gehören zusammen.
Wie ist es für dich, als queere Person in München zu leben?
Leicht.
Also ich glaube, München ist eine Stadt, die es einem sehr leicht macht, queer zu leben.
Zumindest was so die sichtbare Öffentlichkeit angeht, weil wir politisch schon sehr queer sind.
Also es sind ja einige Leute im Rathaus, die aktiv sind, die auch queer sind und auch offen queer sind.
Und das auch kommunizieren, wie wichtig die rechte Queerermenschen in München sind.
Es gibt eine große queere Szene.
Es gibt ein ganzes Stadtviertel, das irgendwie queer, also das Glockenbachviertel, wo einfach klar ist, dass das ist ein Ort in dem Queerness sicher und zu Hause ist.
Also von dem her würde ich sagen, es ist eine gute Stadt, um queer zu leben.
Und gleichzeitig habe ich das Gefühl, dass Queerfeindlichkeit insgesamt zugenommen hat.
Was ich vor allem eben aufgrund von Zeitungsberichten, aber auch von eigenen Erfahrungen her sagen kann.
Also ich hatte früher wenig Diskriminierungserfahrung und jetzt leider in den letzten Jahren einige sehr unangenehme Begegnungen gehabt und Erfahrungen gemacht.
Und das, obwohl die Stadt an sich sehr queerfreundlich ist.
Magst du mehr darüber sagen?
Ja, das kann ich gerne machen.
Also es sind Begegnungen gewesen, vor allem irgendwie so nachts in der S-Bahn, wenn ich von Auftritt nach Hause fahre.
Begegnungen, die vor allem deshalb schwierig wurden, weil Menschen mich nicht klar identifizieren konnten.
Also wo Menschen nicht genau wussten, sollen sie mich männlich oder weiblich lesen.
Und daraufhin mich entweder angesprochen haben, in der Gruppe blöde Kommentare gemacht haben über mich, also in der dritten Person, über mich gesprochen haben.
Oder auch einfach sehr direkt übergriffig wurden.
Jetzt nicht körperlich, aber einfach mir sehr nahe gekommen sind, mich angesprochen haben, sagen, was bist du denn überhaupt?
Also auch dieses Herablassende, was bist du?
Und das ist was, was ich jetzt schon einige Male Erfahrung habe.
Und weshalb ich mich auch mittlerweile nachts durchaus auch unsicher fühle, was in meinem Job ein bisschen blöd ist.
Was ich bisher tatsächlich gar nicht erfahren habe, bis auf so komische Kommentare vielleicht mal so von der Seite ist, wenn ich mit meiner Freundin unterwegs bin und man sieht, dass wenn wir irgendwie Händchen halten oder uns küssen oder so, das hält sich zum Glück in Grenzen.
Vielleicht mal irgendwie ein komisches, oder so, aber zum Glück keine Übergriffigkeit.
Das habe ich als Teenager häufiger gehabt.
Also so mit 16, 17, 18.
Aber ja, dieses Gefühl, dass Geschlechtsidentität irgendwie nach außen klar sichtbar sein muss.
Und wenn das nicht ist, sich Menschen tatsächlich dazu berufen, fühlen, das sehr direkt und sehr unfreundlich hinterfragen.
Danke fürs Erzählen.
Gibt es etwas in Bayern, das du dir für queere Menschen wünschen würdest?
Eine andere regierende Partei?
Ja, also ich glaube, dass wir in Bayern, es gab ja gerade diesen Aktionsplan Queer, an dem ich auch dichtend teilhaben durfte bei zwei Veranstaltungen, bei so Regionalkonferenzen.
Ich glaube, da wird in naher Zukunft oder ich hoffe, da wird in naher Zukunft einiges passieren.
Es gibt in München, wir haben wirklich Glück mit München in Allbayerns, es gibt Strukturen, die es dort gibt, die es nur in sehr wenigen Großstädten gibt, zum Beispiel das Regenbogenfamilienzentrum ist was, was schon seit einigen Jahren besteht und so in der Form in wenigen anderen Städten auch besteht.
Ich glaube, die kommen immer mehr nach, weil Regenbogenfamilien einfach sehr in der Normalität angekommen sind.
Aber da haben wir schon, glaube ich, einen Vorteil sozusagen von dieser Großstadt, die sehr queervreundlich ist.
Und ansonsten wünsche ich mir insgesamt einfach mehr Strukturen, Anlaufstellen für Jugendliche und Kinder, Orte, an denen sie sich einfach sicher fühlen können und viele Orte, die nicht dezidiert queer sind, aber queervreundlich sind.
Das heißt, Fortbildungen für Menschen, die dort arbeiten.
Menschen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten.
Lehrkräfte, absolut.
Also das ist das Thema.
Ich empfinde Schule mittlerweile als sehr queervreundlichen Ort.
Ich habe sehr viel Diskriminierungserfahrung durch SchülerInnen.
Und zwar nicht, indem sie mich angreifen, sondern indem sie sehr offen sagen, dieses LGT-IQ, das gehört verboten.
Und damit ja auch irgendwie am Thema vorbei argumentieren, weil man kann es ja nicht verbieten.
Aber die eben das Gefühl haben, das wäre eine freie Entscheidung, so zu leben.
Und man müsste sich einfach nur anders entscheiden.
Und deswegen finde ich es wahnsinnig wichtig, dass Lehrkräfte, also alle Menschen, die irgendwie mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, diskriminierungssensibel, diversitätssensibel, fortgebildet werden, ausgebildet werden.
Und zwar nicht, um Dinge aufzuoktuieren und zu sagen, so wir müssen das jetzt alle gut finden, aber um in solchen Momenten sensibel reagieren zu können.
Einfach sagen zu können, so das ist, das gehört zum Leben dazu.
Schau dich nach links und nach rechts um.
Zehn Prozent der Bevölkerung sind queer.
Das heißt, auch in diesem Klassenzimmer nehmen wir an, 30 Kinder, mindestens drei Leute.
Und dafür ein Bewusstsein zu schaffen und nicht zu sagen, das sind irgendwelche Typen, die beim CSD auf der Straße Party machen.
Das ist ja leider die Form von Sichtbarkeit, die oft hängen bleibt.
Dieses leicht abschätzige zu sagen, das sind ja nur Leute, die wollen sich irgendwie in ihrer körperlichen Freizügigkeit ausleben und Party machen und ganz wenig einfach gesehen wird, dass das einfach Menschen sind, die ihre Identität und ihre Liebe leben wollen.
Meike, gibt es etwas anderes, das du gerne in diesem Podcast teilen oder slammen möchtest?
Ja, also es gibt einen Text, der mir aktuell sehr am Herzen liegt.
Das ist kein dezidiert queerer Text, aber es ist ein Text, der sich unter anderem mit dem Rechtsruck beschäftigt, der uns queere Menschen ja auch sehr betrifft.
Und vielleicht betreffen wird noch mehr.
Und diesen Text durfte ich schreiben für einen Brecht-Slam.
Also da ging es darum, auf Brecht-Gedichte direkt zu reagieren.
Und das Brecht-Gedicht, auf das ich mich bezogen habe, spricht vom Anstreicher.
Und mit diesem Anstreicher hat Brecht niemand geringer gemeint als Hitler.
Unter anderem, weil dieser so gern gemalt hat, bevorzugt Aquarelle.
Aber eben auch, weil er so ein großspuriger, großpinseliger Typ war.
Und ich beziehe mich eben auf dieses Gedicht und auch darauf, dass es so viele Menschen, so viele Anstreicher heutzutage gibt, die unsere Welt prägen.
Und es gibt einmal die Perspektive als Mutter und einmal die Perspektive als Künstlerin in diesem Text.
In dem Text kommen auch meine beiden Kinder vor.
Also ich habe mir die nicht ausgedacht.
Die sind echt, diese Kinder in dem Text.
Die wohnen bei mir und tun das bis heute noch ganz gern.
Ich liege und lese.
Ein Gedicht von Brecht.
Ein Titel, vier Zeilen.
Der Anstreicher spricht von kommenden großen Zeiten.
Die Wälder wachsen noch, die Äcker tragen noch, die Städte stehen noch, die Menschen atmen noch.
Ja, noch.
Trägt, steht, wächst und atmet diese Welt noch, denn da draußen ist Klimawandel und Artensterben und Krieg und Rechtsruck und überhaupt.
Hier drinnen bist du zwölf Jahre alt und du acht Jahre alt und eigentlich habt ihr mit allem dem nichts zu tun und eigentlich würde ich euch das so gern ersparen.
Ich liege.
Mit geschlossenen Augen.
Durch das Schwarz im Innen der Lieder schwimmen noch die Neon-Konturen der Lichterkette, die dein Hochbett umspannt.
Ich beobachte die wabene Lichtspur und im Wissen darum, dass es sinnlos ist, sie fixieren zu wollen.
Sie entziehen sich ganz langsam gleitend dem Halt meines Blicks.
Plötzlich flackern sie auf, wie verglühende Geschosse im Nachthimmel.
Sie erhellen kurz die Frauen und Kinder, die zuerst fliehen und Männer, die bleiben müssen.
Es ist Krieg da draußen, sagen sie.
Ich liege.
Etwas müder und schwerer als sonst, nach einem dieser Tage, an dem beide Kinder mit laufenden Nasen zu Hause bleiben.
Das erste Mal seit 14 Stunden tue ich nichts.
Ich sage nichts, ich beantworte keine Fragen, ich höre nicht meine Namen, ich bringe nicht den Müll runter, ich bohre auch kein Loch in die Wand, ich habe weder Laptop, noch Tablet, noch Handy in der Hand.
Das Homeoffice hat geschlossen, beschloss ich beim Abendessen und verdrossen.
Jetzt bin ich weder Gesangs-
noch Diskussions-
noch Spielpartnerin.
Wenn dieser Tag ein Song wäre, wäre er der, in dem die Sängerin Fehler singt.
Ich wäre gerne hundert Meter groß, ich wäre gerne stark und sorgenlos.
Ich hätte gerne hundert Arme mehr.
Ja, mit Konjunktiven tut sich das Dasein nicht schwer.
Ich liege.
Neben mir zartes Atmen, ein kleiner Brustkorb, der sich senkt und hebt, dein Körper tiefenentspannt, hat gespielt, ist gerannt und hatte wieder einen ganzen neuen Tag erlebt.
Die allumfassende Ruhe des Moments lässt mich in Wellen aus Ehrfurcht untertauchen.
Und doch bin ich gespannt, ob wir morgen ein ökologisches, soziales oder diplomatisches Wunder brauchen.
Denn die Welt ist voller Anstreicher.
Ach, wäre dieser eine Anstreicher damals doch bei Aquarellen geblieben, hätte die Welt nicht in Tod und Verderben getrieben und es gäbe heute nicht so viele, die ihn verehren und lieben.
Aber wahrscheinlich hätte den Job dann einfach irgendjemand anders gemacht.
Zack, Despot, mal eben über Nacht.
Ob eine Frau den Job auch bekommen hätte?
Vielleicht, wenn sie nur die Hälfte dafür genommen hätte.
Hashtag Dictator Gender Pay Gap.
Und jetzt kommst du, zwölf Jahre alt, und fragst, was man gegen solche Menschen eigentlich macht.
Und ich antworte schlicht, ich weiß es nicht.
Ich suche den Frieden in jeder Begegnung.
Unterstütze, wo es geht, die pazifistische Bewegungen.
Wenn mir die Sicherungen durchknallen, weil in Europa schon wieder Bomben fallen, greife ich zu Stift und Papier für den Frieden in mir.
Ich fasse die Welt in Worte, weil ich sie begreifen möchte.
Ich drehe und wende, verstricke und webe Wortgewänder, die ich behändern, die Spitzenohren in der Menge hänge.
Sprache ist meine Zungenrolltreppe zur Welt, meine Identität, mein Beziehungsbaukasten, mein Glück, mein Spielgerät.
Wenn mich bedrückt, was Zungen erst mal kaum zu sagen wagen, Schultern nicht mehr schultern wollten und Gedanken für sich selbst nicht mehr tragen, muss ich schreiben.
Meine Zweifel, meine Angst, meine Wut in Buchstaben kleiden.
Ich habe die Macht der Worte und fühle mich dennoch oft machtlos, angesichts der nicht zuhörenden Anstreicher dieser Welt.
Doch ich habe die Macht der Worte und glaube deshalb an die Welt der Möglichkeiten, an die Kraft der Poesie.
Denn Poesie kann Karate, Poesie kriegt sie alle, Poesie schafft Zitate, Poesie für alle Fälle und verlässt Poesie unsere Kehle.
Mist die Bumtschig Wawa für die Seele, Poesie singt unser Lied, sie macht keinen Unterschied zwischen Arm oder Reich, vor Poesie sind alle gleich.
Hört her, ihr Bestseller-Besteller, ihr Amazon-Empfehlungskäufer, vom sinkenden Schiff an sichere Ufer, Überläufer, ihr Verlagswesen alias Medienkaufleute, digital und print, Ihr Literaturagent in den 0815.
Erst, wenn das letzte Lyrik-Skript abgelehnt, die letzte Poetin gebrochen und das letzte Zauberwort gesprochen ist, werdet ihr merken, dass man Kochbücher nicht essen kann.
Und nein, auch nicht die von Jamie Oliver.
Es ist Zeit für eine Strategie, lebensrittende Sofortmaßnahmen mit den Mitteln der Poesie, Mund-zu-Mund-Propaganda und Buchdruckmassage, ernste Wortspieler mit Textil-Courage, wir brauchen den tödlichen Pass in den Tiefsinn, spielwitzig gepaart mit einem Schuss Torheit, einen roten Klangteppich für die Sponsoren, Brot und Ferse fürs Volk und Opium für die Ohren.
Wir brauchen anarche Vokabulistinnen, die sich im Kampf für Neologismus, Rechtscheiprogramme belisten, sie reimen Oregano-Origami auf Lama, Salami und Salamanderlaufe durcheinander, Tanskala-Lecken, die Creme de la Creme, fesch unverwundene Erwendungen von ihren Lippen, während sie ausgeflippte Manuskripte tippen und schleudern das triefende Wortgewäsch bis das Abtropfgewicht ihrem jugendlichen Leichtsinn entspricht.
Ja, Poesie!
Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin, weil sie alle zu Hause in ihrem Wohnzimmer sind und diesen Podcast lauschen.
Stell dir vor, es ist Krieg und keiner spielt mit, nur schnell Schnick Schnack Schnuck Stein unterlegt, Stift auf Papier und alle sind quitt.
Stell dir vor, einer dieser Anstreicher spricht von kommenden großen Zeiten und keiner hört mehr zu.
Das würde mir und den Leuten hier die größte Freude bereiten.
Wow!
Vielen Dank, Meike!
Ich danke fürs Zuhören.
Wow, mein Pleasure!
Also, hast du noch Energie für einen kurzen Stimmungswechsel?
Ja, immer.
Passt sehr gut.
Zum Schluss, hast du vielleicht Lust auf einen Quickie mit mir?
Es geht nicht um Sex, sondern um eine Fragenreihe, die du kurz und knackig beantworten darfst.
Okay, ich bin bereit.
Let's go!
Die Qualität, die du bei einer Person am meisten schätzt?
Ehrlichkeit und Verletzlichkeit.
Deine größte Qualität?
Zuhören können und Menschen wertschätzen.
Was macht dich glücklich?
Mich frei zu fühlen, ohne andere dabei einzuschränken.
Was hat dich letztens stolz gemacht?
Dass ich es geschafft habe, einer geliebten Person gegenüber sehr deutlich meine Bedürfnisse auszusprechen.
Ein Lied, das du gerade gerne hörst?
Ich mag gerade sehr gern die Lieder von Marlowe Großhardt.
Und da hör ich zum Beispiel gerne Oma oder Partisanen.
Eine Person, die du attraktiv findest?
Meine Partnerin.
Einen Content, den du empfehlen würdest?
Also ich wiederhole gerne Kate Tempest.
Dein Lieblingsgericht?
Verschiedene Gemüsesorten in Erdnusssoße.
Ein großer Wunsch von dir?
Das klingt jetzt vielleicht ein bisschen pathetisch, aber einer meiner größten Wünsche ist, dass die Welt sich zu einem Ort entwickelt, und das fühlt sich gerade ein bisschen utopisch an, aber dass die Welt sich zu einem Ort entwickelt, an dem alle Menschen, egal mit welcher Identität, mit welcher Herkunft, mit welcher Geschichte und in welcher Lebensform auch immer, sich sicher fühlen können.
Deine Stimmung jetzt gerade?
Ich bin ausgelassen, ein wenig aufgeregt und sehr beglückt.
Meike, vielen Dank, dass du dir heute Zeit genommen hast und dazu beiträgst, die Stimme queerer Menschen lauter zu machen.
Ich danke dir, dass ich eine queere Stimme sein darf.
Und danke für deine Arbeit.
Sehr gerne.
Das war mir eine Freude mit dir.
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