Queer Voices Podcast

Élie Chevillet

#13 Kerosin95 | Hip-Hop, Politisierung, Rainbow Washing

03.11.2025 55 min Élie Chevillet

Zusammenfassung & Show Notes

Heute darf ich Kem aka Kerosin95 empfangen. Kem ist Musiker und Performer. Seine Texte sind stark, direkt und politisch – weil Rap schon immer mit Widerstand zu tun hatte. Hört unbedingt in sein letztes Album Coming Out rein. 
Seine Musikkarriere begann schon 2014, als er zusammen mit seinem Zwillingsgeschwister und anderen Musiker*innen eine Band gründete. Danach folgten weitere Projekte, bis er schließlich als Kerosin95 auf die Bühne trat.
Als trans Person im Musikbusiness musste Kem viel aushalten: TERFs und queerfeindliche Strukturen. Zwei Jahre lang hat er deshalb keine Musik veröffentlicht. Jetzt ist er zurück – entschlossener denn je.
Und Kem nutzt seine Bühne. Er spricht klar gegen Kolonialismus, gegen den Genozid in Gaza und gegen alle Formen struktureller Gewalt. 


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Transkript

SPEAKER_1
00:00:04
Hi, ich bin Élie Chevillet. Herzlich willkommen bei Queer Voices, der Podcast der queeren Menschen in Augsburg und der Welt eine Stimme gibt. Heute darf ich Kem aka Kerosin95 empfangen. Kem ist Musiker und Performer. Seine Texte sind stark, direkt und politisch, weil Rap schon immer mit Widerstand zu tun hatte. Hört unbedingt in sein letztes Album Coming Out rein. Seine Musikkarriere begann schon 2014, als er zusammen mit seinen Zwilling-Geschwister und anderen Musikerinnen eine Band gründete. Danach folgten weitere Projekte, bis er schließlich als Kerosin95 auf die Bühne trat. Als Transperson im Musikbusiness musste Kem viel aushalten. Turfs und queerfeindliche Strukturen. Zwei Jahre lang hat er deshalb keine Musik veröffentlicht. Jetzt ist er zurück, entschlossener denn je. Und Kem nutzt seine Bühne. Er spricht klar gegen Kolonialismus, gegen den Genozid in Gaza und gegen alle Formen struktureller Gewalt. Hi Kem!
SPEAKER_2
00:01:43
Hi!
SPEAKER_1
00:01:44
Danke, dass du meine Einladung angenommen hast. Ich freue mich riesig, mit dir aufnehmen zu dürfen.
SPEAKER_3
00:01:49
Ja, danke, dass ich hier bin und du extra hierher gefahren bist. Sehr sweet.
SPEAKER_1
00:01:53
Voll gern. Magst du dich zu Beginn vorstellen, deine Pronomen teilen oder erzählen, wie du dich identifizierst?
SPEAKER_3
00:02:03
Ich bin Kem, meine Pronomen sind er, ihm. Und ich würde mich identifizieren als ein sehr liebevoller, lustiger Gemini und bin eine sehr carende Person. Shoutout an alle meine engsten Leute. Vom Beruf bin ich Musiker und Texte und Performer und auch Komponist. Komponist klingt immer so geil. Das ist immer so fancy wie Doktor. Doktor Komponist. Ich schreibe einfach Musik und Texte auch für andere Leute, immer wieder die letzten zehn Jahre. Ich bin schon lange auf der Bühne. Ich bin jetzt 30 Jahre alt geworden. Ich bin auf der Bühne, seit ich 18 bin. Ich bin selbstständig sogar als Musiker, seit sieben Jahren, ja, so identifiziere ich mich.
SPEAKER_1
00:02:53
Du hast als Kind in einem kleinen Ort auf dem Land in Österreich gewohnt. Wie war es für dich, dort aufzuwachsen?
SPEAKER_3
00:03:02
Ich glaube, ich kann mich nicht mehr an sehr viel erinnern aus meiner Kindheit. Ich versuche das immer wieder ein bisschen rauf, mich zu erinnern. Ich glaube, ich hatte ein sehr gesegnetes, also sehr friedliches und liebes Aufwachsen. An einem ganz kleinen Ort, wo da neben der Wald ist, wo du immer weißt, also Tausende Einwohner in Österreich, das heißt wirkliches Dorf, wo du immer weißt, du gehst einfach raus und es ist immer irgendwer da. Und du rufst halt noch am Haustelefon an und gehst dann woanders essen, dann gehst du bei der Oma essen, bei der Oma, dann gehst du dorthin spielen. Also sehr dörflich, aber auch sehr familiär aufgewachsen. Also so mit viel Family, die sich alle um Kinder kümmern. Aber nicht nur Family, so Blutsverwandtschaft, sondern auch Friends und die Oma von Friends und die Tanten von Friends. Umgeben von sehr vielen Frauen, die sich um die Kinder gekümmert haben. Keine Männer, die sich jemals um irgendwelche Kinder gekümmert haben. Manchmal, ja, mit ganz wenigen Ausnahmen, die ich nicht kenne. Also sehr liebevolles Aufwachsen am Land.
SPEAKER_1
00:04:11
Hattest du Geschwister um dich herum?
SPEAKER_3
00:04:13
Ja, ich habe zwei Geschwister. Ich habe einen Zwilling und eine ältere Schwester. Also wir waren auch sehr viel beieinander einfach. Auf einem Hof bin ich aufgewachsen. Es waren immer Leute dort. Es war immer was los. Es war immer volles Haus. Es ist immer überall rumgeschrien worden. Mit vielen Katzen. Bis heute gibt es dort noch viele Katzen. That's a thing. Also ich meine jetzt nicht zwei, sondern ich meine so sieben. Sieben Katzen immer. Voll also so mitten im Tumult im Social Life. Also sehr, sehr mit immer Leuten umgeben.
SPEAKER_1
00:04:47
Kem, was bedeutet es für dich, queer zu sein?
SPEAKER_3
00:04:51
Also jetzt im Moment, in den letzten zwei Jahren hat sich das sehr verändert oder es verändert sich auch immer weiter, was das heißt. Also es ist für mich ein rein politischer Begriff, was das auch immer heißt. Ich meine, wenn wir jetzt politisch sagen, es ist eh alles politisch. Es ist alles politisch, aber dieser Begriff oder auch als Selbstbezeichnung verwende ich das schon auch noch, dass ich sage, ich bin queer, aber ich posaune es nicht mehr so raus, wenn es irgendwie geht, weil es einfach nicht mehr wichtig ist für mich selbst und vor allem nicht an erster Stelle steht. Und es sollte für mich auch nicht an erster Stelle stehen. Das dachte ich früher. Das war so voll so. Dann hätte ich mich vor drei Jahren so vorgestellt, ha, ich bin Kem, ich bin trans und übrigens bin ich trans. Ich wollte unbedingt noch dazu sagen, dass es niemand weiß, dass es ganz wichtig ist, dass ich jetzt sage, dass ich trans bin. So queer heißt für mich, dass ich versuche, sehr viele Dinge sehr kritisch zu hinterfragen und die Normen zu hinterfragen, wie ich aufgewachsen bin zu hinterfragen, im Österreich-Kontext alles in Österreich versucht zu hinterfragen. Es ist jetzt nicht nur eine Art, wie ich mit Beziehungen, also mit allen Beziehungen, mit meinem Leben umgehen möchte, auf eine queere Art und Weise, also auf eine andere Art und Weise. Nicht so, wie ich es aus dem Fernsehen kenne, nicht so, wie ich es vom Land kenne. Nicht scheiße, sondern anders, oder wie man Beziehungen führen kann, wie ich quasi mit Leuten umgehe, wie ich mit mir selber umgehe, also so ein sozialer Begriff eigentlich auch. Und dann ist es auch eine politische Entscheidung und es ist eine Praxis, es ist jetzt nicht ein Stempel und dann hat man das. Dann lernt man das einmal, so irgendeine queere Schule und dann passt das, dann hat man den Titel, den Bachelor und den Master, den PhD und dann ist fertig oder irgendso was, ich weiß nicht. Sondern es ist einfach eine Praxis und wie ein Handwerk. Ich finde es eine sehr wichtige politische Praxis, aber es kann auch ein Skill, also nicht ein Skill. Es ist auf jeden Fall was handgreifliches, also jetzt nicht nur philosophisch für mich mittlerweile, sondern es muss auch in den Taten drinnen sein. Für mich persönlich heißt es Queer, einfach sehr kritisch, sehr viel hinterfragen, sehr viel ändern, sehr viel handeln auch. Also es ist ein aktiver Begriff, das hören die Leute im Podcast jetzt gerade nicht, aber ich mache gerade so urfilmend mit meinen Händen. Ich versuche gerade in die Luft zu greifen. Also in Aktion zu treten, Queerness, hat auch viel für mich mit Aktion zu tun. Weil als reine Beschreibung oder als reine Identität, was es auch ist für mich, ist es nicht sehr langlebig. Und für mich verliert es komplett an Bedeutung, wenn es nicht in Aktion geht, in Praxis geht, in Motion geht.
SPEAKER_1
00:07:29
Du hast gesagt, dass es früher für dich super wichtig war, klarzumachen, dass du queer bist und jetzt nicht mehr. Was hat sich verändert?
SPEAKER_3
00:07:39
Ich glaube, es hat sich verändert, dass ich sehr viel radikalisiert wurde. Also sehr viel mehr radikalisiert wurde politisch von vielen Leuten. Ich habe mich schon auch ein bisschen selber politisiert, mehr und radikalisiert. Aber das geht meistens immer von außen. Und von auch hier wieder Shout-out an sehr enge Leute und alle Leute und Genossen in meinem Leben, die so viel Arbeit da auch gemacht haben. Und mich aufmerksam machen, von denen ich einfach sehr, sehr viel lerne, von verschiedensten Leuten, dass ich gemerkt habe, ich identifiziere mich immer weniger, auch je nach Kontext. Es ist sehr kontextabhängig. Meine Queerness spielt nicht mehr überall so eine Rolle. Es ist auch ein Begriff, der irgendwann à la mode gekommen ist, also in Fashion gekommen ist. Es ist auch ein Begriff, der als Accessoire benutzt wird, der jetzt, finde ich, so richtig angekommen ist im Kapitalismus, also der so richtig angekommen ist in Kontexten, die meiner Meinung nach nichts mit meiner Ansicht von Queerness und was das alles sein kann zu tun haben. Es hat sich verändert, weil ich auch gemerkt habe, ich bin immer zuerst weiß. Ich bin weiß. Ich weiß, dass die Leute einen Podcast nicht wissen, weil sie kein Foto von mir gesehen haben. Ich bin Österreicher, ich bin Europäer, ich bin super abgesichert finanziell. Also im Endeffekt, wenn es wirklich brennt, wenn wirklich irgendwas ist, habe ich genug Leute, die für mich da sind. Also ich bin nicht arm, ich habe keine Behinderung und dann bin ich schon auch trans. Vor allem bin ich jetzt ein trans Mann, der cis-passing ist. Also cis-passing im Sinne von, dass ich quasi in der Öffentlichkeit als cis Mann gelesen werde. Also bin ich ein weißer hetero cis Typ. So werde ich gelesen. Ich meine, das glaube ich immer und dann sagen meine Fans, ne, du schaust schon trotzdem aus wie eine Schwuchtel, weil ich bin ja auch eine. Also das ist ein bisschen schwierig zu verstecken. Muss auch nicht sein. Aber for safety reasons ist schon gemütlich. Also es hat sich sehr viel verändert, seit ich einen Bart habe, eine tiefere Stimme. Das macht extrem viel aus. Und dieses Privileg auf einmal zu haben und zu sehen, ich werde respektiert, mir wird zugehört, ich werde ernst genommen. Das war früher nicht so als Frau und so als girly girl. Das heißt Queerness verändert sich dadurch. Auch vom Kontext, wo sind wir? Sind wir am Lunch? Sind wir in einer Stadt? In welchem Kontext sind wir? Ist es jetzt unbedingt ganz wichtig zu sagen oder warum ist es wichtig jetzt zu sagen, dass man queer ist? Also das mehr zu hinterfragen und nicht immer nur mitzunehmen als und jetzt nicht grundsätzlich abzusprechen, den Begriff. Aber ist es für mich wirklich wichtig jetzt zu sagen, Leute, schaut mal her, ich bin queer. Also warum eigentlich? Warum ist das wichtig? Oder wo macht es auch Sinn, das als kämpferischen Begriff zu verwenden oder als Schimpfwort zu verwenden? Also wenn das Schimpfwort verwendet wurde, dann als Selbstbezeichnung etc. etc. etc. Es ist einfach viel mehr hinterfragen und nicht mehr so rausposaunen. Und weil sehr oft Leute in Kontexten Queerness verwenden, in politischen Kontexten, denen ich überhaupt nicht zustimme. Und wo ich auch finde, es ist ein 90 Grad verwaschender Begriff geworden. Und mir einfach das auch eher als gefährlich ansehe. Sylvia Rivera zum Beispiel, das war die engste Genossin von Marsha P. Johnson. Sylvia Rivera meinte auch in den 80ern in einem Interview, sie war so, boah, so was passiert mit Pride, was passiert mit Queerness. Und das hat sie schon so vor Jahrzehnten gesagt und war schon so Leute, der Kapitalismus verschlingt das. Also ich zitiere jetzt nicht, sondern so habe ich es verstanden. Eine ganz großartige und wichtige Aktivistin, von der ich versucht zu lernen zum Beispiel. Also ich versuche nur, die Menschen zu hören, die uns das schon seit Jahrzehnten sagen. Du musst nur die Menschen hören, die schon so viele Dinge durchgeführt haben. Und vor allem zu hören, zum Beispiel schwarze Transfrauen.
SPEAKER_1
00:11:30
Kem, wann hast du entdeckt, dass du queer bist?
SPEAKER_3
00:11:34
Ich glaube, als Kind wusste ich das nicht, weil ich bin sehr spät erst politisiert worden. Ich habe auch den Begriff vielleicht mal als Teenager gehört. Aber ich wusste nicht ganz, was das heißt. Ich habe dann erst auch so, ich glaube, mit 20 hat es dann jemand mal verwendet. Und dann war ich so, aha. Also ich war so als lesbischer Teenager. Das waren schon Begriffe schwul und lesbisch. Aber queer und auch was das politisch, dass es überhaupt was mit Politik zu tun hat. Das war irgendwie auch immer sehr getrennt in meinem Aufwachsen. Weil Politik und Sexualität sind ja auch nicht miteinander verwandt gewesen. Also es war super getrennt, was sehr viel aussagt. Über ein weißes österreichisches Aufwachsen, wo Politik illegal ist in Österreich, verboten. Kinder und Jugendliche cool zu politisieren, ist ja gesetzlich verboten in Österreich. Ja, aufzuklären, auch verboten gewesen. So viele Sachen quasi. It's a joke also, but also it's kind of real. Ich habe das als Kind schon gemerkt, okay, da gibt es irgendwie Leute, die mich verarschen oder die mich Bushikos zum Beispiel nennen und so weiter und so fort. Aber ich wusste dann auch als lesbischer Teenager nicht, dass ich zum Beispiel auch queer sein kann oder darf oder bin oder was auch immer das auch heißt. Da ging es gar nicht noch um irgendwas Politisches, sondern es ging rein um Sexualität. Natürlich, also wirklich nicht mal um Identität. Und es sind diese ganzen Begriffe eher auch irgendwann für mich sehr nervig. Okay, passt. Identität und Sexualität und Politik und wie hängt das zusammen und was macht mich jetzt aus und was ist jetzt wichtig? Also es ist wirklich kontextabhängig mittlerweile. Und auch, wo es Spaß macht. Sexualität ist ja auch urtlustig und Identität kann ja was ganz spannendes sein und was super aufregendes sein für einen selber herauszufinden, wer man ist und so. Jetzt bin ich halt gesettelter, weil ich älter geworden bin und viel Scheiße erlebt habe und viel schöne Sachen erlebt habe und weiß halt eher, was das bedeuten kann. Aber ich bin trotzdem noch erst 30. Also, I don't know how it's gonna evolve. Ich glaube, vielleicht in zwei Jahrzehnten sind alle so, oh Gott, warum brauchen alle irgendwelche Begriffe, oh unnötig. So, Jen, Alphas.
SPEAKER_1
00:13:47
Und du hast gesagt, dass du so ein lesbisches Teenager warst. Wann hast du als Teenager entdeckt, dass du lesbisch bist?
SPEAKER_3
00:13:56
Es war eine Freundin in der Schule, da hat sie mich mal so umarmt und ich hatte voll die Schmetterlinge und das war so, oh mein Gott. Und dann war ich so, what the fuck is happening? Und hab dann irgendwann auf YouTube immer nur so Compellations, Women love women Compellations. Und so scheiß angeschaut und war so, mein Gott, das ist irgendwie so krass, dass ich jetzt hier das mache. Und hatte so Crushes und war dann auch in so lesbischen Foren unterwegs. Ich weiß nicht mehr, wie es geheißen hat. Lesarion. Aber das ist ja urlustig. Ich habe mir das wieder mal angeschaut, dieses Forum. Es ist so ein deutsches, wie so Schüler-VZ von damals. Also vor Facebook. Ich hatte auch kein Facebook da mit 14, glaube ich. Oder vielleicht parallel, aber ich wusste noch nicht, wie Facebook funktioniert. Und das waren so Lesbien-Foren im Internet, wo ich dann Leute kennengelernt habe in Hauptstädten und bin dann so auf Dates gegangen. Mit 17 und 18 habe ich so Leute gedatet. Einmal eine Person in Wien und einmal eine Person in Graz. Und das war voll das Ding, weil es niemanden gab am Land. Oder das war... Ich meine, stimmt ja auch nicht. Wahrscheinlich waren eh alle schwul. Also es waren eh alle schwuchteln und es sagt halt niemand, weil alle dumme Rassisten und Nazis dort sind. Deswegen sagt es halt niemand. Also es ist voll verständlich. Ich habe es ja auch nicht herausposaunt. Genau.
SPEAKER_1
00:15:20
Bist du mit queeren Role Models aufgewachsen?
SPEAKER_3
00:15:24
Also vielleicht, ich kann mich nicht erinnern. Also aufgewachsen als Kind und als Teenager, nein. Aber in den letzten zehn Jahren groß geworden, also erwachsen geworden, ja. Sehr viel. Verschiedene Leute.
SPEAKER_1
00:15:37
Hast du Personen im Kopf?
SPEAKER_3
00:15:40
Ja, also zum Beispiel Leute wie Leslie Feinberg. Kennst du? Leslie Feinberg hat Stone Butch Blues geschrieben. Das Buch habe ich zur Hälfte gelesen, weil es war so krass. Ich will es unbedingt weiterlesen. Es ist so ein krasses Buch. Es ist viel zu heftig. Es ist so krass gewaltvoll. Aber es ist so schön. Es ist so von einem lesbischen Trans-Mann, eben Leslie Feinberg, der aus der Perspektive schreibt, von Lesben, von Dykes und von Trans-Personen in den 50ern und von Transitionings in den 50ern beschreibt. Also so von den 50ern weg in die 60er, 70er, 80er. Das ist so krass. Es war so ein tolles Buch. Das fand ich sehr spannend. Aber das ist jetzt nur so in den letzten fünf Jahren. Also ich versuche mich zu erinnern. Ich habe mich erst mit irgendwas auseinandergesetzt, außerhalb von Salon, feministische Themen, also zum Beispiel gegen Sexismus und Maka als weiße Ziesfrauen. Also ich glaube, ich war einfach so eine junge Suffragette, ohne dass ich es wusste. Also ich habe es immer gut gemeint, aber ich glaube, ich war schon so super, schon so eine Living the Good Life Lesbian Anfang 20. Also so, ne, die Themen, die mich betreffen persönlich, die gehen mir schon irgendwann auf die Eier. Und da muss ich schon ein bisschen kämpferisch werden, aber sonst passt eigentlich gutes Leben. Also sehr so The Good Life Lesbian. Und ich habe mich erst wirklich mit 23, 24, als schon so viel Scheiße passiert ist, bei mir selber habe ich dann mich dadurch immer mehr mit anderen Themen beschäftigt und auch trans Personen kennengelernt, verschiedenste Personen kennengelernt, aber mein Umfeld war hauptsächlich weiß ewig lang. Und das ist halt auch das Hauptthema eigentlich. Also ein Hauptthema, das sollte Hauptthema sein. Und das ist es erst sehr spät geworden. Also ich bin immer noch am Anfang mit so vielen Sachen. Aber die Dinge, die einen halt selbst betreffen, die tut man natürlich vorher oder schneller meistens bearbeiten oder die fallen einem früher auf. Außer man wird sehr früh politisiert oder hat Leute, die einen sehr schnell radikalisieren oder politisieren oder verschiedenste Dinge aufmerksam machen, die einen nicht selbst betreffen, aber da auch dann kämpferisch ist. Weil wir müssten uns ja nicht für irgendwen anderen interessieren. Warum eigentlich? Oder? Das sind lauter Fragen. Wir brauchen schon Solidarität von allen anderen, aber wir müssen ja keine Solidarität zurückgeben, weil wir brauchen nur unsere eigenen, I don't know, unsere eigene Sicherheit. Also auch so was sehr, für mich was sehr Österreichisches. Dass man sagt, mir geht's gut. Wenn es mir gut geht, dann passt's. Also sehr selbst zentriert. Das ist für mich was sehr Österreichisches, kulturelles. So bin ich auch aufgewachsen. Wenn es um politische Sachen geht.
SPEAKER_1
00:18:24
Kem, was würdest du gerne deinem jüngeren Ich sagen?
SPEAKER_3
00:18:29
Ich würde vielleicht einfach mit dem jüngeren Ich gerne so spielen und dann irgendwie so sagen, einfach nur spielen, so gemeinsam irgendwie lieb sein und so. Und eine lustige Zeit haben. Und mich ein bisschen komforten. Und mir sagen, dass es leider urlang dauert. Dass viele Sachen lang dauern und dass es nie vorbei geht. Und deswegen gibt es ganz viel Zeit, alles herauszufinden. Ich würde vielleicht sagen, es gibt kein Ende und keinen Anfang. Und deswegen gibt es alle Zeit. Weißt du, was ich meine? Also so ein bisschen über Zeit, ein bisschen so, dass man chillt und nicht immer den Stress hat, Dinge herauszufinden oder so. Und sonst einfach spielen gemeinsam. Ich glaube, wir sind beide sicher sehr lustig, wenn wir gemeinsam irgendwas spielen. Das ist sicher witzig. Ja, voll.
SPEAKER_1
00:19:23
Wie wichtig ist dir Queerness in deinem Umfeld?
SPEAKER_3
00:19:27
Ich meine, ich kenne nicht besonders viele Personen, die nicht queer sind. Und das ist jetzt schon lange so. Also ich weiß nicht, wie das wäre. Ich treffe immer mal wieder Leute, die sind super sympathisch genannte Leute. Die sind voll, die haben viele Klischees, gibt es über Heteromenschen. Also so strenge Heteromenschen zum Beispiel. Aber das sind auch nur Menschen. Also es sind wirklich oft sehr, ganz smarte, sympathische Leute dabei. Ich finde sie auch sehr inspirierend. Wirklich ganz spannende, ganz tolle Leute. Wirklich sehr inspirierende, spannende Menschen. Zwei Heteromenschen. Bunte Vielfalt gibt es auch unter Heteros, habe ich gehört und das ist auch richtig spannend.
SPEAKER_2
00:20:13
Ja, toll.
SPEAKER_3
00:20:15
Ich wünsche ihnen einfach alles Gute. Voll. Ich habe auch eine, ich arbeite auch mit einer Person, mit einem Heteromann, der ist super sweet. Voll. Hab auch einen alten Freund, der ist auch hetero, glaube ich. Der ist auch sehr sweet. Und sonst, mir fallen einfach nicht so viele Leute ein. Ich versuche dann immer zu denken. Es ist schwierig zu beantworten. Ja.
SPEAKER_1
00:20:40
Hat das Wort Community eine Bedeutung in deinem Leben?
SPEAKER_3
00:20:45
Boah, das ist eine schwierige Frage, weil das beschäftigt mich sehr seit ein, zwei Jahren jetzt. Mich nervt der Begriff nämlich sehr. Ich bin gerade sehr zähneknirschend so seit einem Jahr mit dem Begriff.
SPEAKER_1
00:20:57
Warum?
SPEAKER_3
00:20:57
Weil ja auch wie viele andere Begriffe so komisch verwässert wurden und ich auch gemerkt habe, so warte mal kurz, was heißt das jetzt für mich, der wird so voll viel verwendet. Also wenn dann Leute auch sagen, ja du bist oder ich bin, sie sind, sie sind, wir sind, du bist, diese Person oder wir, wir sind Community, dann bin ich so, warte mal kurz, wer ist wir? Wer spricht gerade? Wo bin ich jetzt in dem ganzen platziert? Kennen wir uns überhaupt? Was ist dieses Wort? Ich verstehe das nicht ganz. Es ist für mich ein großer gay Pop-Culture-Begriff, so Community. Also für meine Community, wenn ich das überhaupt verwende, aber ich verwende, ich versuche das nicht zu verwenden, oder ich frage mich, wann ich das verwende, ich glaube, ich kann es nicht sagen, wann ich das jetzt gerade verwende, mache ich sicher. Aber wenn ich das jetzt beantworten will, ich glaube, meine Community sind meine engsten Leute. Ja, halt meine Leute, halt meine Familie. Genau. Aber nicht nur, vielleicht sind auch Community dann noch Leute, die nicht die engste Familie sind, aber auch Leute, mit denen ich sehr viel teile und mit denen ich sehr eng kämpfe und durchs Leben gehe und denen ich vertraue und wo wir uns gemeinsam unseren Rücken haben. Das ist so, das würde ich Community nennen. Aber wir zeigen das auch immer und immer und immer und immer wieder. Wir sind wirklich sehr, sehr füreinander da.
SPEAKER_1
00:22:29
Und du meintest, dass du dieses Wort sehr kritisch siehst seit einem oder zwei Jahren. Wie kam das?
SPEAKER_3
00:22:37
Ich glaube einfach Kapitalismus und Geld und Wirtschaft, wenn es jetzt auch wenn es so super abstrakt jetzt gerade klingt, haben extrem viele Begriffe verwässert und zerstört und nehmen es um Geld zu machen. Ob das jetzt eine Bank ist, die auf einmal irgendwelche Hashtags mit Queer feministische Ansatz bei der Bank und ich bin so, hey, ihr seid eine Bank, ihr macht einfach nur Geld. Was? Also oder ob das irgendwelche anderen Leute sind. Also es gibt einfach viel politische Begriffe oder auch soziale Begriffe, so für mich wie Community. Die werden in so vielen Kontexten verwendet, wo ich dann wieder merke, okay, sowas wie Community Event. Aber in welchem Kontext wird das verwendet? Also der Kontext ist sehr wichtig, wird immer wichtiger. Das heißt, es sind Worte, die nicht mehr überall, die eine sehr andere Wirkung haben in Kontext A oder in Kontext B. In Kontext B bin ich so, vielleicht sogar, ich habe nichts mit diesem Begriff zu tun. Niemals würde ich den verwenden. In Kontext A bin ich so, okay, kann ich damit was anfangen? Mittlerweile auch, wie das Wort Feminismus. Es gibt einfach sehr viele Arten von Feminismus. Und mit den meisten bin ich nicht nur nicht der Chor, sondern ich kämpfe gegen eine gewisse Art von Feminismus. Ich bin auf der Straße gegen viele Arten von Feminismus, von Feminismen. Because apparently it's still called feminism. Okay, bitte, have it. But that's not my feminism. Und auch Queerness. Es gibt einfach verschiedene Begriffe. Oder auch Community, wenn alle sagen, ja. Oder manchmal begrüßen mich Leute, oder dann wird man eingeladen zu Community-Events. Und ich kenne ja niemanden. Ich bin so, I don't know you, so I don't know. It's not my community. Aber es sind dann zum Beispiel Gay-Leute. Dann bin ich so, but I don't know you. I don't even know, like, I don't know what you do, so. Weißt du, also ich glaube, es ist so, es kann ein Pop-, es ist halt, es kann einfach ein Family-Begriff sein, je nachdem. Also für mich kann es sehr viel sein. Ich glaube, das ist einfach, man muss einfach viel genauer definieren, was man meint, auch mit verschiedenen Dingen, mit verschiedenen Wörtern, auch so vor allem in deutschsprachigen Raum, mit Politik wird es ja noch schlimmer mit verschiedenen Begriffen und alles verwässert. Und da muss man einfach, denke ich, für mich möchte ich viel mehr genau hinzeigen, was ich wirklich meine oder wen ich anspreche oder von was ich rede, damit Dinge mehr Sinn haben, aber auch mehr Tiefe haben können, also Begriffe, so circa, wenn es Sinn macht. Verwendest du den Begriff Community?
SPEAKER_1
00:25:15
Ja, allerdings für mich ist es ein Begriff, das ich mehr plural verwende, gerade im Kontext von Queer Communities. Zum Beispiel, ich wohne in einer Stadt und wir treffen uns alle ein, zwei, drei Mal im Jahr für ein Event und plötzlich sind wir die Queer Community. Und es ist mir sehr fremd, weil ich ganz viele Menschen das ganze Jahr über einfach gar nicht begegne und auch nicht mit diesen Menschen irgendwas mache. Und das fällt mir dann schwer, mich als eine Community mit dieser Person zu sehen. Ich verwende es eh plural, würde ich sagen. Ich glaube, dass für mich, was mir ein Gefühl von, was Leute meinen mit Community gibt, ist eh meine Bezugspersonen. Also meine enge Personen, würde ich sagen, geben mir ein Gefühl von Community. Kem, was tust du gerne?
SPEAKER_3
00:26:17
Prokrastinieren. Scheiße. Ja, genau. Das mache ich eigentlich hauptberuflich.
SPEAKER_1
00:26:25
Das glaube ich nicht.
SPEAKER_3
00:26:26
Doch, doch, wirklich. Ich arbeite deswegen auch 100 Stunden die Woche, weil ich da von 30 prokrastiniere. Es ist wirklich schlimm. In Phasen. Phasenweise. Genau, das mache ich gerne. Und sonst? Eigentlich vorher gerne Sport, aber ich bin gerade im Sommer viel auf Shows und komme nicht zum Sport machen. Und jetzt bin ich so 70 Jahre geältert und mein Rücken tut weh.
SPEAKER_1
00:26:50
Was für Sport machst du gerne?
SPEAKER_3
00:26:52
So ins Gym. So sehr stumpf. Sehr stumpfer Gym, Bro. Aber sonst auch Schwimmen. Auch gern. Aber ich will nicht noch mehr zahlen. Also ich will nicht noch in irgendein Hallenbad oder irgendwas. Ich bin so in diesem einen Gym.
SPEAKER_1
00:27:09
Was und wer inspiriert dich?
SPEAKER_3
00:27:13
Voll viele Leute. Mich inspirieren die Leute in meinem Leben, die engsten Leute in meinem Leben und alle, die mich begleiten und die ich begleite schon länger. Leute, die mir wichtig sind. Ich bin einfach der größte Fan von meinen Friends, von meiner Family. Sie inspirieren nicht nur, sondern sie motivieren. Sie geben Hoffnung. Ich lerne so viel. Sie bringen mir so viel bei. Sie kritisieren mich so viel. Es ist richtig Luxus. Ich habe einfach Luxus-Friends. Und sonst inspirieren mich einfach Leute, die kompromisslos für Dinge aufstehen und mutig sind, so wie ich es noch nicht bin. Ich fange erst an. Ich würde mich nicht als mutig beschreiben.
SPEAKER_1
00:28:00
Was bedeutet Mut für dich?
SPEAKER_3
00:28:02
Dass man damit okay ist, dass man viel verliert, glaube ich. Oder dass man nicht weiß, was man verliert, oder dass man was aufgeben muss, ganz viel aufgeben muss. Das ist sehr mutig. Und dass man sich der Welt stellt, weil es ist einfach eine hässliche Welt von Grund auf. Und entweder sieht man das immer mehr und hat den Mut, das anzuerkennen und trotzdem das Leben irgendwie zu navigieren und auch so schöne Sachen zu machen. Oder man drückt sich davor. Also ich finde das wirklich mutig. Es ist auch mutig, jemanden zu kritisieren und die Fresse aufzumachen. Und diese hässliche Welt, so wie sie ist, also ich finde, es ist keine schöne Welt. Es ist eine Grund auf hässliche Welt, die irgendwann angefangen wurde zu zerstören. So und es kann aber trotzdem ein schönes Leben sein, wenn man das anerkennt und dann was dafür tut, damit es nicht mehr für immer so hässlich ist. Oder so, zumindest in meiner Lebzeit. Und ich finde es sehr mutig zum Beispiel, sich da rein zu begeben. Weil das wird nicht schöner, das wird nicht einfacher. Es wird nicht lustiger, es wird nicht bequemer, es wird immer anstrengender, es wird immer hässlicher. Aber dafür entscheidet man sich, dass man mehr verwurzelt ist mit allen Dingen. Also das hängt für mich auch voll mit Mut zusammen. Mir hat letztens immer wieder eine Person gesagt, du bist immer so radikal, oder na so autoritär und immer so extrem, so extrem, extrem, extrem. Das ist quasi schon wie rechtsextrem, linksextrem, das ist das gleiche. Also das ist wie so ein klassischer Satz, den ein paar Leute immer sagen. Und du wirst dich immer mit diesen Dingen so viel beschäftigen. Deswegen musst du dich immer mit so vielen Dingen beschäftigen. Und deswegen können wir nicht das Thema wechseln. Also so ein bisschen, als ob es diese Auswahl wäre. Und ich glaube irgendwann wird es immer weniger Auswahl. Weil man muss auch die Mut haben, wenn wir darüber geredet haben über Dinge, die man sich aussuchen kann und die man sich nicht aussuchen kann. Und die ich mir nicht aussuchen muss, die Themen, weil ich davon betroffen bin, muss ich natürlich, da muss ich mutiger sein. Sonst gehe ich drauf. Also das ist einfach eine Mut, wie wenn Leute irgendeiner Queer-Person sagen, wow, du bist so mutig und inspirierend, das Leben, das du lebst. Wow, und das ist so, hey, keine Ahnung, alter, ich will halt nicht von der Polizei verprügelt werden, du Idiot. Ist ja nicht, also so. Das ist ein anderer Mut, als der Mut zu sagen, okay, ich werde jetzt Kompromisse machen müssen und Dinge verlieren und Privilegien verlieren und den Job verlieren und Friends verlieren und Privilegien. Und es wird beschissener werden, weil ich anderswo mutig bin, wo es nicht um meine eigene Scheiße geht. Also so, bis sie irgendwie, ja, das fällt mir jetzt zum Mut ein. I guess. Und du so, du fragst mich immer nur die Fragen. Darf ich eigentlich auch fragen?
SPEAKER_1
00:30:41
Du darfst alles fragen, aber wir wollen über dich hören.
SPEAKER_3
00:30:44
Ja, ich weiß, aber jetzt haben wir eh schon so viel über mich geredet.
SPEAKER_1
00:30:48
Deswegen reden wir jetzt spezifisch noch über dich gerade. Du machst Rap und Hip-Hop-Musik. Ein Genre, das oft als besonders cis-männlich wahrgenommen wird. Wie ist es für dich, dich als Transperson in diesem Raum zu bewegen?
SPEAKER_3
00:31:06
Also ich glaube, jedes Genre ist dominiert in der Musik von cis-Männern.
SPEAKER_2
00:31:11
Würde ich jetzt mal raten.
SPEAKER_3
00:31:13
Und das zu navigieren ist jetzt gerade ein anderes Thema, weil ich einfach sehr viele Shows spiele in gewissen Kontexten. Es gibt einfach im deutschsprachigen Raum, im Deutschrap, noch einen Nischen Deutschrap, nämlich so Queer-Feministischen Deutschrap-Nische. So ein bisschen. Also für Flinterrap. Ja, Flinterrap, genau. Ich bin nicht mehr so Fan von dem Begriff Flinter. Ich würde das nicht Flinterrap sagen, aber ich würde einfach sagen, Rap von einfach Deutschrap, ob es jetzt queere Leute den machen oder Faggots den machen und Frauen und Farms den machen, Transpersonen den machen. Queererrap, maybe. Rap mit queeren Themen. I don't know. Es ist ein bisschen, also, I don't know. Ich mache auch nicht nur Deutschrap, es ist einfach auch viel Pop dabei, einfach weil mir das einfach Spaß macht. Aber Rap als Form, als lyrische Form vor allem gewählt, es um gewissen Dingen anderen Ausdruck zu verleihen. Ich glaube deswegen Rap, ja. Also Rap as in lyrics, how to write lyrics, aber Musik as in many options. Voll. Und das zu navigieren ist immer wieder, ja, immer wieder Thema. Jetzt gerade ist es nicht so viel Thema, weil ich eben da einfach bei Shows unterwegs bin, wo ich nicht mehr wie früher vor drei Jahren, vor drei, vier Jahren habe ich noch mehr in Kommerzfestivals oder in größeren, größeren, in einer größeren Branche war ich unterwegs und da ist es schon schwieriger, weil da ist es viel liberaler oder konservativer. Das heißt, das Niveau ist viel tiefer und das politische Level ist viel, ist einfach sehr, sehr, sehr anders. Und da hast du auch die Räume anders zu navigieren. Also es ist einfach wie eine Übung, je nachdem vor wem du stehst oder wie du in der Öffentlichkeit auch bist, auf welcher Bühne du sprichst, kann man ja schauen, wie man das anders navigieren kann und so. Und dann ist es manchmal einfacher und manchmal schwieriger. Und manchmal mehr Thema und manchmal weniger Thema. Aber es war einfach auch noch schwieriger zu navigieren, weil in drei Jahren bin ich halt auch älter geworden und habe einen fetten Sprung in meiner Transition als Typ gemacht und einfach viel gelernt. Und jetzt bin ich noch mal so, I don't care. I care less and less what people say. Ich will auch diesem ganzen Kerosin95-Projekt nicht so viel Raum geben in meinem Leben. Es gibt wichtigere Dinge. Es gibt so Mieter, Essen, Schlafen, Sport. Meine ganzen Leute mit den gleichen Sachen zu versorgen. Das ist schon fast unmöglich. Und dann werden Leute verprügelt von der Polizei. Leute erfahren Repression. Leute erfahren so viel Gewalt. Und dann irgendwann kommt Kerosin95 und nicht mehr umgekehrt. Deswegen war ich auch sehr lange weg aus diesem Beruf, weil das umgekehrt war. Einfach komisches Popstar-Life, urunsympathisch. Also jetzt bin ich mir so, oh Gott, nee, eh cool, aber hinten anstellen. Und halt als Lohnarbeit, trotzdem bin ich in der Öffentlichkeit, alles ein bisschen weird. I don't know what I'm doing, I'm just trying.
SPEAKER_1
00:34:22
Was sind Strukturen oder Menschen, die dich in deine Arbeit stärken, gerade als Transkünstler im Musikbereich?
SPEAKER_3
00:34:31
Strukturen, die mich stärken, wenn ich merke, Leute organisieren sich politisch und sind aktiv daran beteiligt, in einen Kampf zu gehen. Das ist eine Struktur wie ein Gebäude, wie ein Gerüst, das mir Halt gibt, also echten Halt. Und auch wenn ich mich da reinbegebe, also wenn ich mich politisch organisiere. Und ich bin da auch erst sehr neu in den letzten Jahren, wenn ich aktiv mir überlege, was kann ich jetzt wirklich tun gegen diesen Staat, gegen diese Politik. Nicht nur auf Social Media oder dass ich auf den Bühnen, auf denen ich spiele, was Heroisches ins Mikrofon sage, sondern wirklich, und jetzt wieder meine Hände vom Mikrofon, Handarbeit. Also dieses Organisieren oder anfangen, sich zu organisieren, was eh sehr spät ist, wie gesagt. Für manche Leute beginnen diese Prozesse früher, für manche später, whatever. It's just good to do it at some point or important to do it, I think. Weil diese ganzen Dinge werden immer schlimmer, auch in Österreich. Das muss mich auch nicht betreffen. Also für Transpersonen wird es schon auch beschissen, aber in Österreich ist es trotzdem ziemlich entspannt noch im Vergleich. Aber ich glaube, die wollen es jetzt auch kippen. Also mich kann es auch persönlich betreffen. Okay, trotzdem, ich habe jetzt zum Beispiel mein Leben ist ziemlich cool. Ich habe jetzt ein M, also ein männlich im Reisepass. I'm fine. Also so ich bin jetzt quasi super, super, super abgesichert. Mit vielen Dingen. Genau. Aber das gibt mir halt nicht nur halt, sondern das ist eigentlich das Rezept. Anders kann ich gar nicht den Tag und die Woche und den Monat und das Jahr machen. Das ist ganz wichtig. Also das ist wie Zähneputzen. Man macht es nicht gern. Ich kenne nicht viele Leute, die sagen, oh mein Gott, ich freue mich extrem auf Zähneputzen. Aber man muss es machen, sonst kriegt man Karriers. Und für mich ist das wie mit vielen Sachen wie politisches Organisieren, sich gemeinsam zusammentun, Dinge auf die Beine zu stellen. Das muss man machen, weil dann geht es einem besser. Und wenn man das sehr lange nicht macht, wenn man gar nichts macht, dann kriegt man irgendwann faule Zähne. Und ob das Leute mitkriegen oder nicht, aber wenn Leute nichts machen, um irgendwas zu ändern, an dem Start, an den Strukturen, wo wir drinnen sind, dann kriegen sie schon Zakaria. Und spätestens, wenn sie lächeln und den Mund aufmachen, sieht man das dann. Also es ist alles irgendwann... Es muss nicht immer so visible sein. Und das heißt, es muss dazugehören. Es gehört jetzt immer mehr dazu. Und das ist immer mehr der wichtige Teil, weil es halt sein muss. Ich kann auch nicht meine Leute im Stich lassen mit verschiedensten Realitäten. Ich kann auch nicht den Stich gelassen werden von Leuten, die nichts mit meiner Realität zu tun haben. Ich brauche die Leute und mich brauchen die Leute. Genau.
SPEAKER_1
00:37:16
Was bedeutet das für dich, dich politisch zu organisieren?
SPEAKER_3
00:37:21
Ja, eben es ist einfach meine Pflicht und meine Verantwortung. Aber ich kann es mir für mich selbst nicht aussuchen, weil ich kann nicht sagen, ist es nicht blöd, Leute wie Falka El-Nagashi, die grüne Politikerin in Österreich, die versucht, Transpersonen ans Kreuz zu hängen. Hat so viel Einfluss. Jetzt ist sie mit JK. Rowling und mit Leuten von Orbán, ungarischen, ungarischer Politik, urconnected. Es ist ja wirklich blöd. Happy Pride. Also ich muss einfach was dazu machen. Ich kann nicht einfach das beklagen, wenn es jetzt mal nur um mich selber gehen würde. Ich kann aber auch nicht trauern bei einer Gedenkkundgebung in Österreich, in Wien, für Femizide, die passieren die ganze Zeit. Und da sind Betroffene dabei, die betroffen sind, deren Schwester getötet wurde vom Boyfriend, was auch immer. Es ist immer, immer, immer irgendwas. Oder ich kann auch nicht das Gesicht verziehen und mir denken, wie blöd, dass jetzt ein Friend von der Polizei geschlagen wurde, weil er zum Beispiel auf einem Protest in Österreich herumgestanden ist. Weil er zum Beispiel ein muslimischer Mann ist oder so. Also ich kann auch nicht diese ganzen Dinge beklagen und nichts machen. Das geht halt einfach nicht. Das heißt, es ist nicht nur, es bedeutet was für mich, sondern es ist einfach, es muss einfach so sein. Weil es geht nicht, weil ich brauche die anderen. Also wir brauchen uns gegenseitig und ich will auch noch ein Leben nicht führen. Ich will, dass wir alle in Freiheit leben können und das tun wir nicht. Das tun wir auch nicht in Österreich. Ich tue das vielleicht schon, in sehr, sehr vielen Arten und Weisen, aber viele meiner Leute nicht. Ich kann auch sagen, nee, ich bin nicht friends mit Leuten, die nicht so und so Privilegien haben. Dann wäre ich zum Beispiel ein Rassist oder ein Arschloch. Kann ich schon auch machen. Aber ich will halt eigentlich, genau, ich will einfach sehr viele Dinge und dafür muss halt gearbeitet werden. Es ist einfach Arbeit.
SPEAKER_1
00:39:17
Du hast einmal gesagt, ich kann keinen Rap machen und mich als unpolitisch ausgeben. Du bringst viel Herzblut in deine Texte. Welche Emotionen treiben dich in der Kunst am meisten an?
SPEAKER_3
00:39:33
Ich denke, alle Emotionen treiben mich an. Vor allem sehr viel in den letzten Jahren, sehr viel Wut und sehr viel Trauer und auch sehr viel Trauma, das die Kunst bestimmt hat. Daraus will ich gern irgendwann mal ein bisschen weg, weil es ist jetzt eh die ganze, also jedes, immer das Projekt, immer jedes Trauma zu verarbeiten und dann immer nur Kunst zu machen aus Trauma. Und Kunst ist nur Trauma und Trauma ist Kunst. Es ist schon so langweilig. Ich bin schon so, okay, okay, passt jetzt, oder? Jetzt machen wir mal irgendwas anderes. Also auch wieder schöne, schöne, lustige Dinge. Und Leute auch wirklich, natürlich kann man auch sehr ernst Themen ansprechen und so, aber auch Leute richtig fett verarschen in der Kunst wieder. Und nicht und ohne. Mit jetzt mehr Verarbeitung. Trauma ein bisschen verarbeitet worden das erste Mal. Okay, und jetzt. Also Wut und verschiedenste Emotionen sind immer drin. Aber ich glaube, jetzt mag ich auch langsam anders herangehen an die Dinge. Jetzt bin ich nicht mehr so am Anfang von verarbeiten und von wie mit Gewalt umgehen. Gewalt hört eh nicht auf. Aber wie damit umgehen und wie das navigieren und wie Trauma verarbeiten. Bla bla bla. Eher so Queer Classic Stories ein bisschen. Hab ich das Gefühl. Je nachdem.
SPEAKER_2
00:40:54
Ehm, Fall.
SPEAKER_3
00:40:56
Also ich hab auch wieder Lust auf so viel mehr lustige und schöne Texte. Also so über bestärkende Themen. Also oder bestärkende Gefühle oder Dinge, die mich stark fühlen lassen und nicht immer nur drüber schreiben, was mich fertig macht. Das ist gar nicht so einfach. Ich bin jetzt voll in diesem Ding drinnen seit Jahren. Es gibt viel mehr Songs, wo ich drüber rede, was schwierig ist und warum. Und das ist auch wichtig und auch weiterhin. Aber ich würde es gerne ein bisschen anders mal probieren. Ist gar nicht so leicht.
SPEAKER_1
00:41:30
Du sprichst öffentlich Klartext gegen Kolonialismus, gegen den Genozid in Gaza, gegen strukturelle Gewalt. Welche Verantwortung spürst du, wenn es um Solidarität geht?
SPEAKER_3
00:41:45
Da könnte man mit einem Zitat von Toni Morrison anfangen, nämlich Good Art is Political. Toni Morrison ist eine schwarze Schriftstellerin gewesen aus den USA, die schon verstorben ist und eine unglaublich krasse, smarte Person, revolutionäre Frau ist. Und ich glaube, dass ich das akzeptiere. Ich habe irgendwann mal gedacht, Kunst und Politik kann man gemeinsam verbinden, weil es dann zwei getrennte Begriffe, zwei getrennte Dinge im Leben sind. Politik ist, wenn man in der Politik ein Politiker ist mit Krawatte und Kunst ist, wenn man auf einer Leinwand was malt oder wenn man Musik macht und einen Song schreibt und die Leute... Was hat der denn? Okay, dann ist man Musiker, das heißt, das macht man vom Beruf, was ist das dann? Dann gehe ich auf Bühnen und schreibe Songs und kriege Geld dafür. Was ich mache, jetzt gehe ich ins Studio, gebe Geld dafür aus, dann spiele ich Konzerte, kriege Geld dafür, damit ich wieder ins Studio gehen kann und wieder Musik schreibe. Und warum macht man das dann? Warum gehen Leute auf Konzerte? Sie gehen auf Konzerte, weil sie sich ablenken wollen vom Alltag, aus dem Alltag raus ins Entertainment. Deswegen sagen ja alle Leute Show Business, Entertainment, je nach Ding. Dann kann man sagen, es gibt verschiedene Arten von Genres, es gibt verschiedene Genres, die politischer von Anfang an waren. Punk oder Hip-Hop sind einfach anders entstanden als es jetzt Popmusik ist. Gleichzeitig, wenn man sich die Genres und verschiedene Dinge in der Musik anschaut, haben einfach immer, immer schwarze Menschen angefangen mit allen fucking Genres und irgendwann haben es weiße Leute einfach nur geklaut. I'm also just appropriating Rap. Es ist Deutschrap, das ist nochmal was anderes. Evolved, so ein super weirdes, nischiges Ding auf der Welt. Deutschrap, eigentlich ein mega schräges Konzept, oder? Es ist ja wirklich, wer spricht denn Deutsch? Also jetzt auf diesem Planeten. Wirklich nicht viele Leute. Es ist so nischig. Das heißt, okay, ich bin halt in dem Teil aufgewachsen, dann mache ich Rap, weil es aber politische, lyrische Form ist und für mich zum Ausdrücken besser ist. But I'm appropriating it. Und auch wenn ich nicht Rap machen würde, aber es gehört zum Beruf dazu, als Rapper, dass ich sowieso am Mindestmaß an politischer Arbeit machen muss in dem Beruf. Es ist eh schon eine Sache an sich, ein Cringe an sich, als weiße Person Rap zu appropriaten. Und es muss politisch sein. Wenn ich das jetzt sage, ich will aber gar keine Politik machen, ich gehe jetzt einfach in den Poplieber, weil da bin ich, da muss ich mich nicht so, hm? Da wär's nicht so cringe. Ich finde halt als Künstler, als Person in der Kunst, als kunstschaffende Person, als Person in der Öffentlichkeit mit Bühne, muss man politisch sein. Du bist entweder politisch und machst auch aktiv was und bemühst dich und schaust, wie du diese Macht, das ist Macht auf der Bühne, das ist der Mikrofon, wie du das nutzen kannst oder du bist ein Arschloch. Es gibt nichts dazwischen. You are a hypocrite. Du bist gegen das System oder du bist mit dem System. Ich bin von Leuten erzogen worden in den letzten zehn Jahren, in diesem Business, die mir genau immer gesagt haben, dass es, also auf deren Art und Weise verständlich gemacht haben, dass es ein Spektrum ist, ein Spektrum an Möglichkeiten. Und das ist einfach eine dumme, kapitalistische, wirtschaftliche Lüge. Weil Musikbusiness, das ist ein Business, wo Produkte verkauft werden. Kerosin95 ist auch ein Produkt. Das ist eine Firma, ein Brand und es wird verkauft. Ich kriege Geld dafür, dass ich auf der Bühne stehe und Leute entertaine. Das heißt, es ist eh auch für mich ein bisschen so, hä, was ist das eigentlich für ein komischer Job? Ich weiß auch nicht, ob ich das für immer mache. Vielleicht mache ich andere Dinge dann irgendwann und mache halt immer nur gratis Konzerte dann und verdiene anders mein Geld. Aber auch immer nur Geld zu verdienen, dafür, dass ich jetzt auf der Bühne stehe mit Spotlights on me und alle hören zu, wie eine Messe. Also sehr christlich auch konnotiert für mich. Ich bin sehr christlich aufgewachsen. Das ist schon schräg. In its basic concept it's really weird. So und wie kann man das jetzt irgendwie machen, so dass es moralisch vertretbar ist? Schwierige Frage. Ich habe nicht seine Antwort darauf. Aber dass es zum Beruf dazu gehört, dass man sich immer mehr oder so schnell es geht, radikalisiert politisch und diese Bühne politisch nutzt, ist für mich ein Selbstverständnis geworden. Ich habe nämlich gemerkt, was es bedeutet, von lauter Menschen umgeben zu sein, die sagen, das ist nicht wichtig oder man kann das halt gut verkaufen als Produkt. Sie sagen es natürlich nicht so, weil das ist natürlich blöd, wenn man das jetzt sagt. Die Bank sagt auch nicht, Leute, ich meine, wir schreiben natürlich Feminismus dazu, weil es verkauft sich besser, aber sie machen es halt. Das heißt, der Preis dafür ist, dass man, wenn irgendwas passiert, wenn du Gewalt erlebst, bist du alleine. Niemand hilft dir, niemand ist für dich da. Wie in jedem anderen Job auch. Warum muss irgendein anderer Job irgendwo politisch sein, oder warum müssen sich Leute irgendwo... Aber in der Öffentlichkeit, dieser komische Kunstjob ist nochmal spezieller. Weil es geht um eine Bühne, die anders ist, als wenn du jetzt ein Straßenbahnfahrer bist. Du bist nicht in der Öffentlichkeit und in der Kunst. Wenn du jetzt zum Beispiel Musiker bist und Konzertist bist, dann bist du in der Öffentlichkeit. Und dann hast du Verantwortung zu tragen, und das muss politisch sein. Und dann kann man noch das ganze Thema aufschlagen zu Rap. Also das einfach entstanden ist, von schwarzen Personen in den USA, die gegen Polizeirepression und gegen Bedingungen angefangen haben mit Hip-Hop und Rap. Das heißt auch, das ist noch spezieller. Hier kann man noch doppelt Hypokrit sein. Das heißt, es ist nichts Heroisches mehr. Ich dachte auch selber, vielleicht ist das was ganz Wichtiges, ganz Tolles, das man hier macht. Busy Charity. Also nicht so mit den Worten, aber wenn ich jetzt zurückblicke, jetzt ist es einfach das aller, das Mindestmaß, das Mindestmaß, das ich in diesen Beruf bringen muss, um irgendwie Integrität zu bewahren und ein Rückgrat zu haben. Ich habe noch nicht so lange ein Rückgrat. Ich lasse mir das erst wachsen. Und es ist sehr unangenehm, weil dann verliert man Leute, dann passieren viele Dinge, wie wir schon drüber geredet haben vorhin. Aber es geht nicht mehr. Ich konnte mir irgendwann nicht mehr in den Spiegel schauen, aber es haben sich auch sehr viele Leute von mir abgewandt. Ich bin nicht mehr in dem Kommerz unterwegs. Ich sage auch immer Begriffe wie Showbusiness, Kommerz und Popmusik und so weiter, also Popindustrie. Weil es eine Industrie ist, wo es um Geld machen geht und nicht darum, ob irgendwer in Freiheit lebt oder nicht. Und das ist mit mir nicht, mit meinem ganzen Geist und Körper nicht mehr verbindbar. Das ist einer der hässlichsten Berufe, den ich mir vorstellen kann, in der Kunst zu sein. Weil es gibt nirgends so viele Hypocrites, also so viele Heuchler. Und die hässlichsten Menschen der ganzen Welt habe ich getroffen in diesem Beruf.
SPEAKER_1
00:48:37
Du hast mehrmals das Wort Radikalisierung benutzt. Was bedeutet das für dich, wenn du sagst, dass du dich radikalisierst?
SPEAKER_3
00:48:45
Dass ich immer mehr sehe und immer mehr spüre auch. Weil man kann ja auch Dinge sehen, Ungerechtigkeiten, Lebensrealitäten sehen, immer mehr Gewalt, immer mehr diesen hässlichen, diesen schönen Planeten, ich wollte Planeten sagen. Der Planet ist urschön, er wird zerstört von der Menschheit. Diese hässliche Menschheit und Faschismus, der den Planeten verseucht, dass man das immer mehr sieht. Also radikalisieren ist für mich, dass ich das immer mehr sehe, aber auch aus dem Sehen dann auch eine Handlung dagegen mache. Weil das Sehen reicht halt nicht. Das hat nie gereicht und wird nie reichen. Und dass aus dem Sehen dann auch ein Handeln entsteht. Ein klares Handeln dagegen, I guess. Egal, mal wieder so richtig Basic, die so richtig Lexikonarbeit, so Begriffserklärung. Ich habe das so lange nicht mehr so nachgedacht. Das ist voll nice. Danke für die Fragen. Du bist richtig so, was bedeutet radikalisieren? Was bedeutet Community? Und ich bin so geil. Nice.
SPEAKER_1
00:49:54
Kem, wie ist es für dich, als Queer- beziehungsweise als Transperson in Österreich zu leben?
SPEAKER_3
00:50:00
Also ich bin ein weißer Trans-Mann, der Cispassing ist und es ist super entspannt, je nachdem, wie ich mich anziehe. Wenn ich mich feminin kleide, also Make-up habe, Rock habe, dann werde ich als Transfeminin gelesen und erlebe quasi eine hundertprozentige Steigung von Gewalt in der Öffentlichkeit. Und wenn nicht, dann bin ich ein weißer österreichischer Cisman und habe das beste Leben, was geht in Österreich. Also je nach Kleidung.
SPEAKER_1
00:50:26
Gibt es etwas in Österreich, das du dir für Queer beziehungsweise für Trans-Menschen wünschen würdest?
SPEAKER_3
00:50:32
Ja, den Sturz der Regierung. Ich hoffe wirklich, dass diese ganzen Regierungsleute für immer aus ihrem Job rausgehen. Ich wünsche ihnen das Schlechteste. Ich wünsche, dass sie arbeitsunfähig sind, aus irgendeinem Grund und richtig alle abstürzen und auch die Generationen danach. Irgendwie muss das doch funktionieren, dass die Leute irgendwie nicht in die Regierung kommen und lauter und die KPO, die Kommunisten, aber die jungen Kommunisten, irgendwie die Regierung übernehmen. Aber Regierungen sowieso einfach stürzen, das ist die einzige Chance und dass die Arbeiter ihnen die Macht übernehmen. Die Macht, sie wollen eh keine Macht, sie wollen wirklich nur mit. So circa, I guess, I don't know, auf jeden Fall Regierungssturz, irgendwie die Leute Macht und Geld wegnehmen und umverteilen. Anders geht es nicht, no other way.
SPEAKER_1
00:51:20
Gibt es etwas anderes, das du gerne in diesem Podcast teilen möchtest?
SPEAKER_3
00:51:28
Puh, was ich noch teilen möchte in diesem Podcast. Boah, ich glaube, ich kann jetzt nur sehr egoistische Werbung machen. Mit Kerosin95 gehe ich mit OZIF, mit dem ich produziere, gemeinsam auf Tour in ganz Deutschland im Oktober und im November. Und wir würden uns voll freuen, wenn ihr vorbeikommt. Das wären sehr schöne Release-Konzerte von unserem Album. Das heißt Coming Out. Es hat aber nichts mit Queer und Coming Out zu tun. Nicht so viel. Aber es ist ur das schöne Album und es war richtig viel Arbeit und wir freuen uns richtig und wir würden uns sehr freuen, wenn ihr vorbeikommt. Das wird sehr sweet. Das ist die Eigenwerbung, die ich jetzt mache zum Schluss.
SPEAKER_1
00:52:03
Nein. Zum Schluss hast du vielleicht Lust auf einen Quickie mit mir? Es geht nicht um Sex, sondern um eine Fragenreihe, die du kurz und knackig beantworten darfst.
SPEAKER_3
00:52:16
Let's go.
SPEAKER_1
00:52:17
Let's go. Die Qualität, die du bei einer Person am meisten schätzt.
SPEAKER_3
00:52:22
Sich nicht so wichtig und ernst zu nehmen.
SPEAKER_1
00:52:26
Deine größte Qualität.
SPEAKER_3
00:52:28
Mein Humor.
SPEAKER_1
00:52:29
Was macht dich glücklich?
SPEAKER_3
00:52:31
Mit meinen Leuten in Verbundenheit und Sicherheit und Spaß und gutem Essen zu sein.
SPEAKER_1
00:52:40
Was hat dich letztens stolz gemacht?
SPEAKER_3
00:52:43
Ich war gerade gestern stolz auf eine sehr enge Person in meinem Leben, die sich getraut hat, ein richtig schwieriges Gespräch zu starten mit einer Person und so in einem richtig großen Konflikt mit sich selbst dafür gegangen ist und so und das so gestartet hat und mir das erzählt hat und ich war so, geil. Aber ich wollte eigentlich sagen, I'm so proud of you, aber dann habe ich das nicht gesagt, weil ich habe dann einfach gesagt, ich freue mich so für dich. Aber ich war glaube ich schon auch wirklich stolz.
SPEAKER_1
00:53:12
Ein Lied, das du gerade gerne hörst?
SPEAKER_3
00:53:15
Der Track Anonymous Feelings von Nasheem und Osef. Das sind zwei großartige Musiker aus Wien.
SPEAKER_1
00:53:24
Eine Person, die du attraktiv findest?
SPEAKER_3
00:53:27
Kehlani.
SPEAKER_1
00:53:28
Einen Content, den du empfehlen würdest?
SPEAKER_3
00:53:31
Auf Instagram heißt die Person Simin Jawa. Es ist eine Social Justice Aktivistin, eine großartige Person, von der ich jede Woche etwas Neues lerne.
SPEAKER_1
00:53:42
Dein Lieblingsgericht?
SPEAKER_3
00:53:44
Lasagne.
SPEAKER_1
00:53:46
Ein großer Wunsch von dir?
SPEAKER_3
00:53:48
Freiheit für alle Unterdrückten.
SPEAKER_1
00:53:51
Deine Stimmen jetzt gerade?
SPEAKER_3
00:53:53
Entspannt.
SPEAKER_1
00:53:54
Kem, vielen Dank, dass du dir heute Zeit genommen hast, um dazu beiträgst, die Stimme queerer Menschen lauter zu machen.
SPEAKER_3
00:54:02
Ja, danke. Ich will auch noch dazu sagen, ich will gar keine Stimmen von anderen Leute lauter machen, weil für mich haben ja alle eine Stimme. Ich habe meine eigene Stimme und alle haben ihre. Und ich bin eher dafür da, damit wir gemeinsam was anstimmen, wie in so einem Chor. Danke für die Einladung. Es war so sweet.
SPEAKER_1
00:54:22
Danke, dass du da warst.
SPEAKER_3
00:54:23
Ja, es war richtig sweet. Danke.
SPEAKER_1
00:54:25
Ciao.
SPEAKER_3
00:54:25
Ciao.
SPEAKER_2
00:54:37
Land der Berge, Land der Täter, Land der Hundesöhne, Land der Väter, Land der kolonialen Untertöne, Land des großen Jammers, Land der kleinen Löhne, Land der engste Zukunftsarm, Heimat aller Häuser.

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