Queer Voices Podcast

Élie Chevillet

#11 Finna | Rap, Wut, Solidarität

01.09.2025 44 min Élie Chevillet

Zusammenfassung & Show Notes

Heute darf ich Finna empfangen. Finna ist Hamburger Rapperin, Aktivistin und eine der lautesten Stimmen des queerfeministischen Hip-Hop im deutschsprachigen Raum. In ihrer Musik treffen empowernde Texte auf klare politische Haltung und radikale Ehrlichkeit.
Sie rappt über Körpernormen, queere Identität und gesellschaftliche Erwartungen – verletzlich und wütend zugleich. Wie sie diese Wut als kreative Kraft nutzt, erzählt sie in der ARTE-Doku „Female Rage: Wut als Waffe?
Finna bezeichnet sich selbst als fette queere translesbische Mutter. Damit lebt sie ein Selbstverständnis, das sich jenseits binärer Geschlechterordnungen bewegt und patriarchale Bilder von Weiblichkeit bewusst aufbricht. 
Auch abseits der Bühne setzt sie sich für Sichtbarkeit und Solidarität ein: mit Projekten wie „Tour d’Amour“ für Menschen mit Fluchterfahrung oder als Workshopleiterin für queere Nachwuchskünstler*innen.


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Transkript

SPEAKER_1
00:00:04
Hi, ich bin Élie Chevillet. Herzlich willkommen bei Queer Voices, der Podcast der queeren Menschen in Augsburg und der Welt eine Stimme gibt. Heute darf ich Finna empfangen. Finna ist Hamburger Rapperin, Aktivistin und eine der lautesten Stimme des queer-feministischen Hip-Hop im deutschsprachigen Raum. In ihrer Musik treffen empowernde Texte auf klare politische Haltung und radikale Ehrlichkeit. Sie rappt über Körpernormen, queerer Identität und gesellschaftliche Erwartungen. Verletzlich und wütend zugleich. Wie sie diese Wut als kreative Kraft nutzt, erzählt sie in der Art Doku Female Rage Wut als Waffe. Finna bezeichnet sich selbst als fette queerer translesbische Mutter. Damit lebt sie ein Selbstverständnis, dass sie sich jenseits binäre Geschlechterordnungen bewegt und patriarchale Bilder von Weiblichkeit bewusst aufbricht. Auch abseits der Bühne setzt sie sich für Sichtbarkeit und Solidarität ein. Mit Projekten wie Tour d'Amour für Menschen mit Fluchterfahrung oder als Workshopleiterin für queerer NachwuchskünstlerInnen. Hi Finna.
SPEAKER_2
00:02:51
Hi. Vielen Dank für das schöne Intro. Das ist so schön. So viele schwierige Wörter drin, aber voll geil. Danke.
SPEAKER_1
00:03:00
Danke, dass du meine Anleitung angenommen hast. Ich freue mich riesig mit dir aufzunehmen. Ich freue mich auch.
SPEAKER_2
00:03:07
Das ist so schön.
SPEAKER_1
00:03:08
Magst du dich zu Beginn vorstellen, deine Pronomen teilen und erzählen, wie du dich identifizierst?
SPEAKER_2
00:03:17
Ja, voll gerne. Also meine Pronomen sind sie ihr, ich bin eine Translesbe, ich bin fat, ich bin queer, ich bin laut, ich bin eine Mutter, ich bin wütend, aber ich bin auch sehr zart.
SPEAKER_1
00:03:39
Du hast als Kind in Ahrensburg in der Nähe von Hamburg gewohnt. Wie war es für dich, dort aufzuwachsen?
SPEAKER_2
00:03:47
Schwierig auf jeden Fall, also weil es ist so eine Kleinstadt, viele Leute kennen sich so untereinander und dann wird halt super schnell, super viel geredet und viele Leute haben sich dann einfach schon so ein vorgefertigtes Bild irgendwie von mir gemacht. Ich war dann so die Dorfschlampe und heutzutage ist es irgendwie ganz, ganz lustig, weil ich mich gegen Slut-Shaming ja stark mache so und ich bin eine Slut und das ist auch gut so und ich schäme mich nicht mehr dafür. Aber damals war das eine super Kränkung, so wo ich einfach dachte, so oh voll blöd, dass Leute das so von mir denken. Und mittlerweile bin ich aber irgendwie auch ein bisschen stolz drauf.
SPEAKER_1
00:04:34
Wie lange warst du dort?
SPEAKER_2
00:04:36
Oha, sehr lange, bis ich so mit 18 bin ich nach Hamburg gezogen.
SPEAKER_1
00:04:43
Finna, was bedeutet es für dich, queer zu sein?
SPEAKER_2
00:04:47
Befreiung, auf jeden Fall Befreiung. Weil ich hab irgendwie am Anfang, also vor dem Outing und bevor ich irgendwie das selber für mich klar hatte, da war ich so, weiß nicht, 14, 15 oder so. Ich hab die ganze Zeit immer das Gefühl gehabt, mit mir stimmt irgendwas nicht. Und ich bin nicht okay, wie ich bin. Ich bin nicht okay mit meinen Träumen. Ich bin nicht okay mit meinen Fantasien. Ich bin nicht okay mit meinen Bedürfnissen. Und hab das auch immer so gespiegelt bekommen, dass das nicht okay ist. Und dass das irgendwie anders und komisch ist. Und jetzt ist es aber, ja, eine schöne, schöne Befreiung, weil man einfach merkt, man kann sich von den Ketten von früher so lösen und darf sich irgendwie neu irgendwo zu Hause fühlen. Und das hat Queerness mir so geschenkt, einfach. Das Gefühl von, ich darf alte Ketten loslassen und darf mich neu verlieben, neu zu Hause fühlen und neu eine Wahlfamilie zusammenstellen. Und mein eigenes Ding machen. Das wäre schön.
SPEAKER_1
00:05:54
Mit 14 hattest du dein inneres Coming Out oder?
SPEAKER_2
00:05:58
Ja, ich weiß nicht. Also es ist ja immer so, ich finde es voll schwer tatsächlich, weil im Kindergarten gab es auch schon mehr Bedürftnisse. Also ich will jetzt nicht zu deep gehen, aber irgendwann hat man, man verliebt sich, man verknallt sich, man fragt, was ist Liebe? Und dann denkt man so, oh nee, aber die liebe ich auch. Und den finde ich auch ganz gut und die finde ich auch super. Und ja, ich glaube, es war aber nie so geframed, also nie so, dass ich ein Wort dafür hatte oder so. Und dann echt relativ spät eigentlich, erst dann so mit 15, 16 oder so, wo ich dann auch meine erste Freundin hatte, war das so auch für mich so, also es war geheim so. Es war nicht so öffentlich, deswegen war es nicht so ein yes, wir sind zusammen, sondern wir waren beste Freundinnen, wie es heute immer so ist. Wir sind alle sehr gut befreundet. Durch alle, lebenslang und das war auch sehr schön. Ja, leider hat sie mir halt voll das Herz gebrochen und es war dann auch ein bisschen schwierig, weil sie dann was mit einem sehr guten Freund von mir angefangen hat und das hat mich sehr verletzt. Und das war dann total öffentlich. Also die Heterobeziehung war dann total öffentlich. Und ich war aber so das Geheimnis gewesen und das hat sich ganz ätzend angefühlt. Aber ja, waren so das Coming-Out, keine Ahnung. Ist irgendwie einfach passiert. Und irgendwann war es auch klar, dass ich das dann irgendwann auch mal meinen Eltern sagen will. Und die sind da auch fein damit, ist okay.
SPEAKER_1
00:07:41
War das erstmal schwer für dich, als du es bemerkt hast?
SPEAKER_2
00:07:44
Ja. Ja, weil ich irgendwie das Gefühl hatte, ich bin nicht so wie alle anderen. Das stimmt natürlich nicht. Also man ist ja immer einzigartig. Also deswegen ist das eigentlich ja auch was Gutes, dass man merkt, dass man einzigartig ist. Aber in dem Moment hat sich das so voll einsam angefühlt. Super einsam. Und ich hatte irgendwie das Gefühl so, oh Gott, mit mir ist irgendwas nicht okay. Das war scheiße. Auch, dass ich diese Bedürfnisse hatte und dass ich so verliebt war. Und ja, und dass es so geheim war, auch so doof. Also dass ich irgendwie dachte, so, oha, das nervt irgendwie. Eigentlich will ich so der ganzen Welt zeigen, dass so meine beste Freundin. Aber so for real. Und das ging aber nicht, aber es war auch okay.
SPEAKER_1
00:08:44
Bist du mit queeren Role Models aufgewachsen?
SPEAKER_2
00:08:48
Nee, eigentlich nicht so richtig. Also es kam erst relativ spät. Also erst so, als ich so 17, 18 war oder so, da hat mich meine Patentante mitgenommen. Und die hat sich dann vor mir geoutet und ich hab mich vor ihr geoutet. Und das war richtig cool, weil die ist so nicht viel älter als ich. Ich hab mir die damals ausgesucht, weil ich wurde ganz spät erst getauft und dann durfte ich mir dasselbe aussuchen, wer meine Patentante ist. Und ich wollte unbedingt, dass sie das wird. Und das war so cool. Ich war so dankbar einfach. Und sie hat mich dann mitgenommen auf queere Partys und so. Und hat gesagt so, hey, du bist nicht alleine, by the way, so. Und das war voll schön. Und in der Musik natürlich dann so Gossip, Bastito. Das ist mega geil. Alles kennengelernt dann durch sie. So. Und wie ist denn die anderen noch? Tigen und Sarah war auf jeden Fall auch noch so voll das Ding. Ja.
SPEAKER_1
00:09:53
Finna, was würdest du gerne deinem jüngeren Ich sagen?
SPEAKER_2
00:09:58
Hm, ist alles okay. Du bist voll in Ordnung. Und es ist komplett okay, wie du fühlst, was deine Bedürfnisse sind. Und es gibt Leute, die dich lieben werden, genau dafür, wie du bist. Und das ist verdammt gut. Und du wirst deine Familie finden.
SPEAKER_1
00:10:22
Wie wichtig ist dir Queerness in deinem Umfeld?
SPEAKER_2
00:10:27
Ich dachte immer nicht so wichtig, lustigerweise. Aber ich habe letztens so ein bisschen darüber nachgedacht und dachte so, wie viele nichtqueere Freunde ich eigentlich habe. Und dachte so, ah scheiße, ich kenne kaum noch Heteros. Wo, was, was passiert so? Das ist irgendwie schwierig. Ich, also falls ihr coole Heteros seid, ich möchte auch mit euch befreundet sein. Ich wollte euch nicht ausschließen. Aber irgendwie ist es so passiert. Ich hänge irgendwie nur mit Queers rum. Und es ist halt auch voll schön. Kommt einfach dazu. Wie in LA. Seid cool. Ihr seid herzlich eingeladen. Ich mag auch Heteros.
SPEAKER_1
00:11:21
Hat das Wort Community eine Bedeutung in deinem Leben?
SPEAKER_2
00:11:26
Ja, voll. Ich hab lange halt irgendwie mich so einsam gefühlt. Und als ich so gemerkt hab, es gibt so queere Partys. Ich weiß noch ganz genau, wie ich das erste Mal so ins Grünspann gegangen bin. Und dann war ich da auf der Party. Wie hieß die nochmal? Misshapes oder so in Hamburg. Und ich hab mich das erste Mal so aufgenommen gefühlt und dachte das erste Mal so, oh Gott, die hier knutschten zwei Frauen. Das ist so cool. Ich will hier einfach nie wieder weg. Ich möchte einfach hierbleiben. Ich möchte zugucken, dabei sein, mitmachen, alles gleichzeitig. Und das auch einfach so Community, so keine Ahnung. Für mich sind das vor allen Dingen so die Kneipenabende gewesen. Im El Dorado, in der Mutter. In Hamburg sind so Kneipenabende irgendwie so voll wichtig, so wo ich einfach hinkommen kann. Ich musste mich nicht verabreden, aber ich weiß, irgendjemand Liebes ist da. Das ist für mich Community, das ist so schön.
SPEAKER_1
00:12:40
Super wertvoll, ja. Auf jeden Fall. Finna, was tust du gerne?
SPEAKER_2
00:12:47
Was tue ich gern? Boah, so viel. Ich heimwerke gerne.
SPEAKER_1
00:12:56
Was meinst du damit?
SPEAKER_2
00:12:57
Ja, also wenn man jetzt so eine, so eine, weiß ich nicht, so die Wohnung umstellen, umdekorieren, rumbasteln, eine neue Lampe anbringen, auch ein bisschen rumklemmt man oder so. Das find ich irgendwie halt ziemlich geil. Also so heimwerken irgendwie. Hab so eine Art irgendwas, keine Ahnung, lackieren, bepinseln, besprayen. So solche Sachen mach ich richtig gern. Und Musik natürlich. Beats basteln. Mich mit Leuten connecten und merken, dass es irgendwie was Echtes ist. Und dass das Leben irgendwie echt ist. Und dass ich mir das nicht ausgedacht hab.
SPEAKER_1
00:13:37
Was und wer inspiriert dich?
SPEAKER_2
00:13:41
So viele. Du inspirierst mich auch. Du wirst hier einfach sitzen, machst einen Podcast. Alles, alles, was irgendwie so Menschlichkeit zusammenbringt. So das inspiriert mich mega. Dass ich einfach denke, es gibt so einen, so einen Raum, wo man sein darf. Es gibt eine Chance, sich zu vernetzen. Auch Tour de la Mour. Egal was ich mache, so wenn ich mich so mit Leuten vernetze und so. Ja, dann fühle ich mich irgendwie inspiriert. Inspiriert weiterzumachen und nicht nur weiterzumachen, sondern auch Dinge immer wieder anders zu machen. So dass man nicht immer das Gleiche macht, sondern immer wieder so denkt so, okay, let's go. Ja, das ist eine geile Idee. Okay, alles klar. Du willst Bom-Bombs in den Haaren. Alles klar, machen wir. Warum auch immer so. Aber es ist doch geil, lasst einfach zusammen rausfinden, wo uns die Idee hinführt, irgendwie eine Mode-Marke zu gründen oder einfach erstmal irgendwo im Wohnzimmer anzufangen, unterm Hochbett aufzunehmen oder Kollektive zu gründen und zu sagen, okay, das geht alles nicht so. In der Corona-Zeit haben wir Tour d'Amour gegründet und das war so, ich hab den Anruf bekommen, so hey Finna, kennst du nicht Artists, die sich da irgendwie beteiligen können? Und ich war so, hä, auf jeden Fall so, ich hatte gerade einen Benderes und war sofort so, yes, auf jeden Fall geile Idee, let's do it. Hab mich voll inspiriert, auch weiterzumachen und den Mut auch zu haben, neue Initiativen zu gründen.
SPEAKER_1
00:15:21
Magst du ein bisschen mehr über Tour d'Amour erzählen?
SPEAKER_2
00:15:24
Ja, voll. Wir haben das in der Corona-Zeit gegründet. Das ist halt so ein Netzwerk, was sich damit auseinandergesetzt hat, Sachspenden aus Deutschland nach Moria zu bringen. Und es war damals in der Corona-Zeit so, dass die ganzen Clubs halt brach lagen und es kein Festival, keine Clubs-Szene, es gab alles war brach wegen Corona, alles war zu. Und wir hatten gedacht, okay, wir könnten die Clubs halt als Spendensammelstelle benutzen und die Artists, die auch nicht gespielt haben zu dem Zeitpunkt, als Werbeplattform nutzen und dann gemeinsam mit dem Bündnis Grenzenlose Hilfe halt zu versuchen, die Sachspenden da hinzubekommen. So und das war ein riesiger Kraftakt. Also erstmal mit den Clubs halt zusammen zu reden, dann mit den Artists zu reden, denen allen von unserer wahnsinnigen Idee zu erzählen, dass wir eigentlich die Tourbusse wollten, wir eigentlich nehmen, um die Sachspenden da hinzubringen, aber das hat dann nicht mehr geklappt. Also mit der Spedition, das war dann schon besser, mit den Bündnis Grenzen ohne Hilfe von Hanziatic Help und Stelp und alle, die uns geholfen haben. Es waren insgesamt acht Leute, also acht Organisationen, die sich zusammengetan haben und Leave No One Behind hat uns unterstützt, die Spenden zu generieren, so dass wir halt irgendwie so ein Konto hatten, wo das alles rauf kann und da sind über 60.000 Euro zusammengekommen. Das war richtig cool und richtig viele Sachspenden und das Geile fand ich auch, dass wir halt mit den Leuten im Camp halt direkt vernetzt waren und die halt genau gesagt haben, was sie brauchen und dass es so auf Augenhöhe war und nicht so ein Projekt, wo dann weiße Leute wieder irgendwo reingehen und irgendwie Scheiße bauen und irgendwie sich wie die Retter in der Welt fühlen, was einen voll wütend macht, sondern dass wir halt direkt mit den Leuten geredet haben. Worauf habt ihr Bock? Was soll auf die Liste? Was soll nicht auf die Liste? Was wollt ihr auf jeden Fall? Was auf gar keinen Fall? Und dass da die ganze Zeit Kommunikation auf Augenhöhe war, dass wir die ganze Zeit mit dem Camp im Kontakt waren. Und wir haben halt schon geplant, bevor Moria gebrannt hat. Und es war richtig hart für uns alle, auch den Brand so nahe mitzuerleben. Und das ist einfach so menschenunwürdig, wie Menschen an den EU-Außengrenzen behandelt werden. Und es ist so heftig. Ich habe jetzt gerade auch, ich habe heute ein Post gesehen, das Frontex ein Pixiebuch rausgebracht hat für Kinder, wie man mit der Abschiebung halt irgendwie dealen soll. Und haben das so ganz widerlich gemacht mit so Posieralben. Und das war, das ging überhaupt nicht in meinen Kopf rein. Frontex bringt ein Pixiebuch raus, um Leuten zu erzählen, dass Abschiebung okay ist. Das ist überhaupt nicht okay. So, und das ist so menschenunwürdig. Ja, mir fehlen die Worte. Ich finde es einfach so krass. Also es zeigt einfach, wie absurd gerade alles verhandelt wird. So, und dass es nicht auf Augenhöhe verhandelt wird, sondern dass es halt so von so hierarchisch von oben herab mit weißen Privilegien gedealt wird, so die sich nicht damit auseinandersetzen wollen, dass sie ein rassistisches Europa machen, so. Das ist heftig. Und ich finde deswegen umso wichtiger, sich dafür einzusetzen und halt mit Leuten in Kontakt zu sein und zu merken, so hey, wir sind Menschen und wir müssen zusammenhalten und wir müssen gucken, was können wir irgendwie Positives machen. Jetzt haben wir aktuell gerade Spenden für We Care. Das ist auch eine Organisation, die sich für Mental Health und von Refugees, die hier angekommen sind, kümmern. Und das finde ich auch mega geil. Also es gibt dann Therapieangebote und das ist so wichtig. Also das macht mir irgendwie so voll Hoffnung, dass ich irgendwie denke, es gibt diese Projekte und Seebrücke, Lievenhorn Behind, alle sind so wichtig, einfach die Sea Punks und wie sie alle heißen. Also so viele Leute, die sich damit auseinandersetzen, dass es so nicht weitergehen kann. Und meine Hoffnung ist einfach, dass wenn wir uns weiterhin verbünden und weiterhin wütend bleiben, aber nicht zu wütend, weil wir wollen auch diese Brücke schaffen. Und ich finde die Aufgabe von weißen Personen sollte sein, leg diese fucking Brücke dahin und sei die Brücke so und kommunizier mit allen. Ja, weil ich finde, das ist nicht die Aufgabe von B-Pog, diese Scheiße auch noch auszubaden, die weiße verursacht haben, so.
SPEAKER_1
00:20:35
Mic drop. Und du hast über Kollektivs erzählt. Du warst auch Teil von mehrere Kollektivs, glaube ich.
SPEAKER_2
00:20:44
Ja, das stimmt. Ich war einmal bei Female Treasure. Das war so ein Hip-Hop-Kollektiv aus Rapper in, Sänger in, DJs, Producer in und wir waren zu acht. Das war mega geil. Das war eine super Zeit. Einfach, wir haben alle unterm Hochbett Seifer gemacht und einfach aufgenommen und uns vernetzt und dachten so, ey geil, wir kommen alle aus Hamburg. Let's go. Das war richtig schön. Ja, leider sind alle, wir wohnen jetzt woanders und es hat sich einfach nicht mehr so ergeben. Es gibt keinen Streit oder so. Es hat sich nicht mehr weiter irgendwie für alle. Der Zeitaufwand war einfach zu viel und dann ist eingeschlafen. Und wir haben aber noch mal der Tschüss gesagt.
SPEAKER_1
00:21:36
Sagst du auch schön.
SPEAKER_2
00:21:37
Und wir sind ja auch einzeln verbunden als Freundinnen und so. Deswegen alles gut. Und dann das female Rap-Projekt gibt es noch. Das ist so ein Fotoprojekt mit Katja Ruge zusammen, wo wir versuchen, Flinter, Rap-Artists eine Bühne zu bieten und die sichtbar zu machen. Weil wir finden, immer wenn über Female Rap oder Flinter Rap berichtet wird, dann sind es oft einfach diese Mainstreaming-Namen, die wir schon tausendmal gehört haben und meistens sind auch keine Trans-Personen mit eingeschlossen. Keine Trans-Männer, keine Trans-Frauen. Und wir denken, da geht so viel mehr im Untergrund, der eigentlich sichtbar gehört. Deswegen haben wir das Female Rap-Projekt noch gegründet.
SPEAKER_1
00:22:34
Nice.
SPEAKER_2
00:22:35
Und Zukunft gegen rechts haben wir auch gegründet. Das war auf jeden Fall auch eine Initiative. Mit Dina und Sylvie, da haben wir uns, es war so eine Kneipenidee einfach. Wir dachten einfach so, hey, ist das so geil, wenn wir einfach, wenn wir einfach so linke Leute interviewen und die in eigenen Text schreiben, was deren Utopie ist. Weil wir hatten so das Gefühl, dass so viele nicht mal wissen, wovon sie eigentlich träumen. Also wofür sind wir eigentlich? Wir sind gegen ganz viel, aber wofür sind wir eigentlich? Und das wieder so ein bisschen zusammenzubringen. Leider haben wir das überhaupt nicht gut in den Griff gekriegt alles und haben viele Fehler gemacht und haben zu viel abdrucken lassen, was nicht okay war. Weil Rassismen befinden sich überall, auch in der linken Bubble ganz viel. Und da haben wir nicht gut aufgepasst. Und schäme ich mich auch total für. Aber es war eine gute Idee. Es war eine gute Idee, trotzdem Leute zusammenzubringen und zu sagen, darin glauben wir. Und wir finden es immer noch sinnvoll, zu gucken, wofür wir sind und nicht wogegen wir sind. Beides ist wichtig.
SPEAKER_1
00:23:55
Danke, dass du das mit uns teilst.
SPEAKER_2
00:23:57
Gerne.
SPEAKER_1
00:23:59
Finna, du beschreibst dich selbst als fetter, queerer, trans-lesbischer Mutter. Was bedeutet das für dich und wie beeinflusst diese Identität deine Mutterschaft?
SPEAKER_2
00:24:11
Oh ja, das ist voll die schöne Frage. Oh, erstmal, also meine Frau ist eine Transfrau und sie ist wunderschön und toll und ich liebe sie. Wir sind seit über sechs Jahren zusammen und ich hatte meine Tochter schon vorher. Und das war total schön, wie die beiden sich kennengelernt haben und dass die direkten, richtig coolen Draht zueinander hatten. Das war so schön einfach und ich dachte mir so, oh Gott, das ist so toll. Dass ich auch teilweise manchmal selber so ein bisschen eifersüchtig war, aber ich dachte so, nein, ich bin doch hier die Mom. Aber ja, du bist auch Mom, okay. Aber nein, es war total schön und wir sind eh so eine Volley Patchwork Familie, weil meine Tochter zwei weitere Geschwister hat, bei dem Vater mit der Frau und dann sind wir noch da. Und meine Tochter, das ist auf jeden Fall ein wildes Kuddelmuddel, das alles immer so zu organisieren. Aber es ist total schön, dass meine Tochter einfach schon so früh gelernt hat, dass es mehr als zwei Gender gibt, dass sie von sich aus einfach nie von irgendwelchen Pronomen ausgeht, sondern immer nachfragt und ja, sie ist einfach cool. Sie ist auch sehr sensibel, so in der Schule und so. Also wenn sie so andere Kinder trifft oder so, die merkt das irgendwie schon. Und ihr vertrauen sich dann auch andere Kinder an. Und ich finde das so voll, voll das Geschenk einfach.
SPEAKER_1
00:25:57
Das hat sie bestimmt irgendwoher gelernt.
SPEAKER_2
00:26:00
Ja, das stimmt. Ja, das stimmt. Aber nicht so mit Zeigefinger oder so, sondern echt durch Liebe.
SPEAKER_1
00:26:08
Liebe ist auch das beste Mittel, glaube ich.
SPEAKER_2
00:26:10
Ja, ich glaube auch. Beste Erziehungsmethode Liebe.
SPEAKER_1
00:26:16
In der Art Doku sagst du, das Gegenteil von Depression ist Expression. Du sprichst auch offen über psychische gesundheitliche Themen. Was hilft dir konkret, in schwierigen Phasen händlungsfähig zu bleiben, insbesondere unter dem Druck, als Mutter und als Künstlerin ständig funktionieren zu müssen?
SPEAKER_2
00:26:39
Das ist auch voll die gute Frage. Das ist voll die gute Frage, weil das frage ich mich auch ganz oft. Ich frag mich ganz oft, wenn ich jetzt gerade hatte, ich wieder so eine depressive Phase und was ich da gemacht habe, war wirklich ganz viel Grenzen setzen und merken so, okay, ich muss jetzt alleine sein. Ich muss jetzt mich selbst damit leiden. Ich muss jetzt rumheulen. Ich muss irgendwie, ja, für mich sein, spazieren gehen für mein Stupid Mental Health und meine Aufgaben machen, damit ich irgendwie klarkomme. Und gleichzeitig habe ich auch voll was Schönes gestern, glaube ich, gehört und zwar war das so, wir erschaffen unsere eigene Realität, in der wir sein wollen. Und das ist so, ja, möchte ich in einer dankbaren Realität sein? Oder möchte ich in einer Groll-Mentalität sein und das Gefühl haben, alles ist scheiße, weil es ist nie alles scheiße. Irgendwas ist immer irgendwie okay oder gut sogar. Und wenn es nur dein Kopf ist, so deine Gedanken, also dass wir die Gedanken halt irgendwie versuchen, besser, ja, besser uns selber gut zuzureden und zu sagen, so es ist in Ordnung, du darfst dich jetzt so fühlen, wie du dich fühlen willst. Und es ist alles komplett valide. Es ist komplett richtig. Du darfst fühlen, du darfst die Scheiße fühlen. Alles ist komplett in Ordnung. Aber du musst dich so nicht fühlen. Und das war für mich irgendwie voll gut, weil ich gemerkt habe, ich muss mich nicht so fühlen. Ich muss nicht in die Opferposition gehen, dass alles zu viel ist und alles scheiße ist, sondern ich darf in die Opferposition reingehen und sagen, boah, mir geht es gerade voll scheiße. Und ich darf mir auch was holen, darf sagen, okay, fühlt mit mir. Und ich muss das aber nicht machen. Ich darf da auch immer wieder ausbrechen und darf immer wieder rausgehen und sagen, okay, heute ist es wieder in Ordnung. Und heute ist auch der erste Tag, wo es wieder in Ordnung ist. Das ist auch schön. Und ich freue mich so, weil ich konnte wieder so schöne Dinge sehen. Irgendwie heute auf der Zugfahrt konnte ich so aus dem Fenster rausgucken und habe einfach nur die Landschaft angeguckt. Und es war wunderschön. Das klingt voll bescheuert, aber es war so schön. Und dann habe ich heute einen Brief geschrieben von meinem Zukunfts-ich, was zufrieden ist und was okay ist, an mein jetziges Ich. Wow. Und das ist voll die geile Übung. Kann ich allen total ans Herz legen, das einmal zu machen. Wie wäre dein Zukunfts-ich, was komplett zufrieden mit dem eigenen Leben ist? Was würde das zu dir jetzt sagen, wenn es dir nicht so gut geht? Und das hat voll gut geholfen.
SPEAKER_1
00:29:47
Euch liebs. Was hat das mit dir gemacht? Das zu machen, war das das erste Mal?
SPEAKER_2
00:29:51
Das war das erste Mal, als ich das gemacht hab. Ich fand es total krass, weil erstmal schreibt man ganz anders, auf einer ganz anderen Ebene. Weil du denkst so, also man fühlt sich quasi rein in das Zukunfts-ich, was komplett zufrieden ist und schreibt liebevoll zu einem selbst und geht irgendwie so ganz behutsam damit um. Und dann bloss das einfach so raus bei mir. Und dann später habe ich das mir durchgelesen, weil ich bin ja die Person, mit der es gerade nicht so gut geht. Also lese ich mir das durch von mir selber an mich selber. Und es hat voll gut getan. Ja, es hat voll gut getan, weil ich irgendwie dachte, okay, ich werde lieb gehabt und zwar von mir selber. Und das ist okay.
SPEAKER_1
00:30:38
Das ist sogar richtig schön.
SPEAKER_2
00:30:39
Ja, das ist ganz schön.
SPEAKER_1
00:30:42
In einem Interview sagst du, es ist wichtig, Zerbrechlichkeit als Stärke nach außen zu tragen. Wenn Menschen sich verletzlich zeigen, können sie mehr Empathie untereinander gewinnen. Mich berührt und spricht diese Aussage sehr an. Müschtest du mehr dazu sagen?
SPEAKER_2
00:31:01
Ja, ich finde, dass wenn wir Sachen spüren können von anderen Leuten, dass wir besser kommunizieren können. Weil ich glaube, dass Kommunikation nicht nur durch Sprache funktioniert. Ich glaube, dass Kommunikation ganz viel nonverbal im Bauch, in der Brust, im Atem, in der Haltung, überall um mich rum. Das passiert überall. Ich kommuniziere mit mir als Wesen und du kommunizierst auch mit dir als Wesen. Und wenn wir unsere Wahrheiten austauschen und du sagst, hey, jetzt gerade ich fühle mich nicht okay oder jetzt gerade fühle ich mich sehr okay, dann berühren sich so Wesenheiten und entwickeln so eine Empathie füreinander. Und das ist so schön. Ich liebe das, wenn das passiert. Das ist so schön. Aber ich schäme mich auch viel dafür.
SPEAKER_1
00:31:58
Du schämst dich dafür?
SPEAKER_2
00:31:59
Ja, ich schäme mich viel dafür, weil ich manchmal denke, ich will eigentlich nicht vielleicht so mit jedem Menschen so in eine enge Verbindung gehen. Aber irgendwie will ich es auch doch. Weißt du, was ich meine? Das ist so ganz schwierig. Also ja, es gibt Grenzen und klar, es ist wichtig, eigene Grenzen zu setzen. Aber wenn wir Empathie wollen, dann ist es super wichtig, dass die andere Person das einfach gut verstehen kann, was du empfindest. Und dann muss man sich so verletzlich zeigen. Und das ist so eine große Stärke. Und ich glaube, ich schäme mich manchmal dafür, wenn ich zu doll versuche zu verstehen, was bei der anderen Person gerade passiert. Und dann Angst habe, zu nahe der anderen Person zu kommen, obwohl die Person das vielleicht nicht möchte. Und dann kickt bei mir sofort so eine Schame rein. Und ich denke, ich will nicht in deinem Wesen rumfuhrwerken, wenn du das nicht möchtest. Da bin ich sehr unsicher und freue mich aber auch immer, wenn das gar nicht so ist, sondern dass eher eine Angst ist, die du in mir haust und die andere Person sagt, das ist okay, du darfst hier sein und es ist alles in Ordnung. Ich glaube, diese Scham sitzt ja so aus diesem Gefühl heraus, dass man irgendwie nicht okay ist, so wie man ist.
SPEAKER_1
00:33:32
Und das ist vielleicht doch dringeblieben ist, wenn man denkt, hey, ich bin voll klar mit all den Themen und so.
SPEAKER_2
00:33:39
Genau, dann denkt man so, oh, ich bin jetzt voll klar mit allem. Also damit bin ich super klar und damit bin ich auch super klar. Oh, damit bin ich überhaupt nicht klar. Und es ist so widersprüchlich. Wir sind so widersprüchliche Wesen und das ist so anstrengend. Und es ist gleichzeitig aber auch das größte Geschenk, weil wenn wir uns den Widersprüchen halt so klar werden und merken so, aha, ich bin nicht immer tough, ich bin nicht immer zart, ich bin nicht immer stark, ich bin nicht immer weich, ich bin nicht immer, ich bin nicht immer ein Zustand. So macht es das ja auch voll spannend irgendwie.
SPEAKER_1
00:34:15
Finna, hast du in die nahe Zukunft Projekte vor, auf die wir gespannt sein können?
SPEAKER_2
00:34:20
Ja, ich habe jetzt gerade eine Förderung beantragt und hoffe, dass ich ein Album machen darf. Fully hoffe ich, dass das irgendwie klargeht. Wenn das nicht klappt, dann werde ich noch eine Förderung beantragen. Wenn das auch nicht klappt, mache ich noch eine Förderung. Wenn das auch nicht klappt, dann komme ich noch mal auf euch zu mit Crowdfunding oder so. Aber ich will erst mal, dass es einfach durchfinanziert wird. Und dann würde ich gerne ein Album mit Amy machen.
SPEAKER_1
00:34:49
Bist du schon dabei, oder?
SPEAKER_2
00:34:51
Yes. Das ist richtig schön.
SPEAKER_1
00:34:54
Ich drücke die Daumen, dass du die Forderungen, die du brauchst, bekommst.
SPEAKER_2
00:34:57
Danke. Das ist so lieb. Ich hoffe es auch.
SPEAKER_1
00:35:03
Wie ist es für dich als queere Person in Hamburg zu leben?
SPEAKER_2
00:35:07
Schön. Das ist total schön. Hamburg ist eine wirklich gnädige Stadt. Manchmal ist es schwer, aber es kommt immer drauf an, in welchem Stadtteil man sich befindet. Aber wenn man jetzt in den queeren Kneipen ist und queeren Bars ist, dann fühlt man sich schon sehr sicher und sehr safe. Das ist ziemlich cool. Es gibt viel Community-Gefühl in Hamburg. Alle sind auch supergut vernetzt und wenn Neue dazukommen, dann werden sie gleich mit eingebunden. Wer auf uns zukommt, wird sofort begrüßt und aufgenommen. Und wenn man noch neu in Hamburg ist, so das ist alles kein Problem. Irgendwie ist das voll schön. Aber es gibt auch in Hamburg immer wieder queerveindliche Situationen. So wenn ich mit meiner Freundin unterwegs bin oder so, wenn wir uns küssen, dann es passieren Reaktionen so. Das ist anstrengend und nicht nur, wenn wir uns küssen, sondern auch, wenn ich einfach nur mit ihr in der Bahn sitze oder so. Und das tut mir oft leid, aber ich finde, eigentlich muss mir das nicht leid tun, weil ich finde Saskia geht richtig gut damit um. Sie ist sehr tough, sie lässt sich nichts gefallen, lässt sich nicht die Butter vom Brot nehmen. Und wenn jemand startet, dann startet sie auch zurück. Das finde ich richtig gut.
SPEAKER_1
00:36:38
Gibt es etwas in Deutschland, das du dir für queere Menschen wünschen würdest?
SPEAKER_2
00:36:44
Oha, so viel. Ich wünsche mir, dass es mehr Akzeptanz gibt für Transpersonen. Ich wünsche mir, dass es mehr normaler ist, sich mit Pronomen auch vorzustellen. Ganz normal im Alltag auch darüber zu reden. Und ja, ob man Pronomen verwenden möchte oder nicht, dass das einfach respektiert wird. Und dass Menschen nicht die ganze Zeit dafür kämpfen müssen, um ihre Sichtbarkeit und so wütend sein müssen. Sondern dass man halt mehr das Gefühl hat, wir sind akzeptiert, wir dürfen hier sein und sind willkommen. Und das wünsche ich mir vor allen Dingen auch für den Arbeitsmarkt, für Wohnungssuche, für alles Mögliche. Und ich wünsche mir, dass es mehr Akzeptanz und Sichtbarkeit vielleicht auch für Interpersonen gibt. Die sind noch sehr unsichtbar, für mich zumindest. Und das verstehe ich. Das verstehe ich total gut, weil da ist so ein Sensationsgedanke immer noch dahinter. Und das finde ich sehr unangenehm. Das würde ich mir auch wünschen, dass dieses Sensationsgewitter irgendwie aufhört um queere Menschen, sondern wir mehr uns auf Augenhöhe begegnen und wirklich das Gefühl haben, wir sind accepted so. Und ich als CIS-Person habe es halt super leicht so, während andere Personen das immer viel schwerer haben werden als ich. Und ich kriege das aber mit, weil es einfach meine engsten Friends betrifft und das anstrengt. Und ich wünsche mir, dass das Selbstbestimmungsgesetz bleibt. Ich wünsche mir aber auch, dass es einfacher wird. Ich wünsche mir, dass es einfacher ist, sein Zeugnis zu ändern, seine Papiere zu ändern, sein Führerschein, ein Perso, was auch immer. Bei der Autovermietung, bei der Versicherung, alles, was man irgendwie angeben muss als Transperson. Diese ganzen 100 Millionen Schritte, dass es einfach so ein Klick wäre, das würde ich mir irgendwie auch manchmal wünschen. Das ist einfach nur so, yes, let's go. Und dass alle ihrer Gender-Expression einfach hinterhergehen dürfen. Egal, ob sie trans sind oder vielleicht auch keine Angst vor Detrans zu haben. Also das finde ich auch total wichtig, dass man da offen bleibt.
SPEAKER_1
00:39:14
Magst du kurz erzählen, was Detrans ist?
SPEAKER_2
00:39:17
Detrans bedeutet quasi, dass jemand in eine Transition gegangen ist und zum Beispiel eine Hormontherapie angefangen hat und dann aufhört, die Hormone zu nehmen. Oder sich dem Gender wieder zugehörig gefühlt, was bei der Geburt zugewiesen wurde. Oder vielleicht sogar das Gender anpasst in eine ganz andere Richtung.
SPEAKER_1
00:39:43
Gibt es etwas anderes, das du gerne in diesem Podcast teilen möchtest?
SPEAKER_2
00:39:50
Wir sitzen hier gerade in einem Hotelzimmer und ich finde es richtig schön. Es ist eine richtig schöne Atmosphäre. Du sitzt hier, bist barfuß. Ich mag das. Du hast eine schöne Ausstrahlung. Ich mag die ganze Atmosphäre hier. Ich habe das Gefühl, ich darf sein, wie ich bin. Das ist sehr, sehr schön. Das weiß ich sehr zu schätzen. Vielen Dank.
SPEAKER_1
00:40:13
Same. Ich danke dir auch dafür. Genau für das Gleiche. Finna, zum Schluss. Hast du vielleicht Lust auf einen Quickie mit mir? Es geht nicht um Sex, sondern um eine Fragenreihe, die du kurz und knackig beantworten darfst.
SPEAKER_2
00:40:30
Ja, gerne. Let's go.
SPEAKER_1
00:40:32
Let's go. Die Qualität, die du bei einer Person am meisten schätzt?
SPEAKER_2
00:40:38
Empathie.
SPEAKER_1
00:40:39
Deine größte Qualität?
SPEAKER_2
00:40:42
Humor.
SPEAKER_1
00:40:45
Was macht dich glücklich?
SPEAKER_2
00:40:47
Lachen.
SPEAKER_1
00:40:49
Was hat dich letztens stolz gemacht?
SPEAKER_2
00:40:52
Liebe.
SPEAKER_1
00:40:54
Ein Lied, das du gerade gerne hörst.
SPEAKER_2
00:40:57
Oh, das muss ich nochmal gucken. Das hab ich heute den ganzen Tag gehört. Darf ich das kurz nachgucken?
SPEAKER_1
00:41:03
Bitte.
SPEAKER_2
00:41:05
Okay, ich hab jetzt nachgeguckt, welches das Lied ist. Und es heißt We Watch The Stars von der Band Fink. F-I-N-K. Ich weiß nicht genau, wie dieses Lied mich gefunden hat, aber als ich diesen Brief an mich selber geschrieben habe, hab ich das in Dauerschleife gehört. Da hab ich das wirklich eine halbe Stunde lang halt so auf den Ohren gehabt. Und das ist wirklich eigentlich ein relativ langweiliges Lied, muss man auch dazu sagen. Aber es wird die ganze Zeit so eine Gitarre gespielt und es wird halt darüber gesungen, dass wir alle in die Sterne gucken und da reinblühen dürfen. Das fand ich irgendwie ein geiles Bild. Und ich dachte so, ja, irgendwie ist das geil. Also wir sind nicht nur so Sterne und im Universum so irgendwie verbunden, sondern wir dürfen da auch so reinblühen, wie wir Bock haben. Das fand ich irgendwie geil.
SPEAKER_1
00:42:10
Eine Person, die du attraktiv findest?
SPEAKER_2
00:42:12
Zastia.
SPEAKER_1
00:42:16
Einen Content, den du empfehlen würdest?
SPEAKER_2
00:42:20
Momentan gucke ich ganz viel Jadina. Jadina Patrick. Das ist eine Person, die sehr viel, ja, ich weiß nicht, ob es so spirituell ist oder so, aber es ist so sehr, ja, sehr schöne Nachrichten einfach. So Botschaften, die empauern und einem das Gefühl geben, dass man richtig ist, wie man ist. Und das mag ich sehr gerne. Das ziehe ich mir gerade regelmäßig auf YouTube rein. Jadina heißt sie da mit J-H-A-D-I-N-A. Jadina.
SPEAKER_1
00:43:01
Dein Lieblingsgericht.
SPEAKER_2
00:43:03
Pommes.
SPEAKER_1
00:43:06
Ein großer Wunsch von dir.
SPEAKER_2
00:43:08
Ein großer Wunsch von mir, dass Utopien wahr werden.
SPEAKER_1
00:43:14
Deine Stimmung jetzt gerade.
SPEAKER_2
00:43:16
Sehr gut.
SPEAKER_1
00:43:18
Finna, vielen Dank, dass du dir heute Zeit genommen hast und dazu beiträgst, die Stimme queerer Menschen lauter zu machen.
SPEAKER_2
00:43:26
Danke. Du machst das ja auch. Du machst hier diesen Podcast. Ich bin so dankbar einfach, dass du überhaupt so einer Stimme wie mir Platz gibst. Das ist so schön.
SPEAKER_1
00:43:36
My pleasure.
SPEAKER_2
00:43:37
Danke.

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